Laut Alemannia Judaica wurde in Werneck um 1767 in einem jüdischen Haus ein "Bethzimmer" eingerichtet, das 1817 baufällig war. Ein Bericht des Landgerichts Werneck von 1829 enthält den Hinweis, dass die Wernecker Juden keine Synagoge besäßen, sondern sich in einem angemieteten Zimmer treffen würden. Da die Gemeine über keine Kultusdiener verfüge, komme der Vorsänger aus dem eine Stunde entfernten Theilheim zu den Gottesdiensten nach Werneck. Um der unbefriedigenden Situation abzuhelfen, sammelte die Wernecker Kultusgemeinde seit Ende der 1850er Jahre Spenden für den Bau einer neuen Synagoge mit Schule und Lehrerwohnung. Spätestens 1870 war das Gemeindezentrum fertiggestellt.
Das zweigeschossige Gebäude mit Satteldach war in zweiter Reihe zur damaligen Hauptstraße gebaut und eng von Nachbarhäusern eingefasst (Hinter dem heutigen Anwesen Schönbornstraße 3, ehemalige Hauptstraße 23).
Über den Haupteingang, der im Norden an einen kleinen Hof angrenzte, gelangte man in das Erdgeschoss, wo das Schulzimmer untergebracht war. Im Obergeschoss befand sich der Betsaal, den von Norden vier hohe Rechteckfenster belichteten. In einem aus Sandstein gearbeiteten Thoraschrein, für den zwei Thoravorhänge zur Verfügung standen, wurden drei Thorarollen verwahrt. Außerdem verfügte die Synagoge über ein Vorsängerpult mit Decke. In der Männerabteilung fanden 22 betende auf Sitzbänken Platz, während die durch eine Bretterwand abgetrennte Frauenabteilung zwei Bänke aufwies. Nördlich der Synagoge beherbergte ein kleines, am damals offen fließenden Werngraben angrenzendes Haus die Mikwe der Wernecker Gemeinde.
1901/1902 wurden das Gemeindehaus und die Mikwe von der israelitischen Kultusgemeinde renoviert. Mit der Auflösung der Kultusgemeinde Werneck ging deren Vermögen 1904 in der vom Kultusvorstand der jüdischen Gemeinde Schweinfurt verwalteten "Wohltätigkeitsstiftung der früheren israelitischen Kultusgemeinde Werneck" auf. Der Thoraschrein der Wernecker Synagoge wurde in die 1906 und 1907 neu erbaute, am 16. August 1907 eingeweihte Synagoge von Geroda gebracht. Dort fiel er wahrscheinlich der Zerstörung der Inneneinrichtung durch die Nationalsozialisten zum Opfer. Mehr als 70 Jahrzehnte nach dem Verkauf des Gemeindezentrums wurde das Gebäude in den Jahren 1976 und 1977 abgebrochen.
(Stefan W. Römmelt)
Literatur
- Gerhard Gronauer / Hans-Christof Haas: Schweinfurt mit Obereuerheim und Werneck. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries, Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1554-1611.
