Jüdisches Leben
in Bayern

Weißenburg Synagoge

In Weißenburg bestand seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert bis 1520 eine jüdische Gemeinde, die eine eigenes Synagogengebäude am nördlichen Ende der Paradeisgasse besaß. Die mittelalterliche Synagoge ist 1480 und 1520 urkundlich belegt. Nach späteren Angaben stand sie "nahe dem oberen Tor [Ellinger Tor] bei dem Bach, wo sich damals das Rebdorfsche Kornhaus befand". Über das Aussehen und die Ausstattung des Gotteshauses ist nichts bekannt. Nach der Vertreibung der jüdischen Gemeinde 1520 ließ der Rat der Stadt die bereits geplünderte Synagoge einreißen und eine Marienkirche errichten. Die Kapelle wurde spätestens im Jahr 1530 wieder abgerissen. Der Platz blieb größtenteils unbebaut und heißt bis heute "Auf der Kapelle".

Die jüdische DP-Gemeinde in Weißenburg hatte sein soziales und religiöses Zentrum im requirierten Gasthof "Zum Schlachthof" (Schlachthofstraße 18) südlich der historischen Altstadt. Die Gaststätte verfügte über mehrere Anbauten, die vor dem Krieg unter anderem von einem Schützenverein als Schießstätte genutzt wurde. Wo genau der Betraum bzw. Betsaal untergebracht war, ist heute nicht mehr genau festzustellen. Auch über seine Ausstattung ist nichts im Detail bekannt. Mit dem Komitee-Vorstand und Rabbiner Jechiel Jakoov Weinberg (1884-1966) stand der DP-Gemeinde ein ausgebildeter und erfahrener Theologen zur Seite, der die religiösen Feste ansprechend gestalten konnte: Eine zeitgenössische Quelle beschreibt das "imposante und gefühlvolle" Chanukka im Dezember 1946, das von etwa 80 Personen an "festlich gedeckten Tischen" gefeiert wurde. Nach Auflösung der DP-Gemeinde im Jahr 1951 nahm die Gastronomie den Betrieb wieder auf und blieb bis 1966 geöffnet. Heute befindet sich im Gebäude eine große Tanzschule.


Persönlicher Dank geht an Stadtarchivar Reiner Kammerl, Weißenburg in Bayern, für seine freundliche Unterstützung.

(Patrick Charell)

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Schlachthofstr. 18, 91781 Weißenburg in Bayern

Literatur

  • Ute Jäger / Stadt Weißenburg in Bayern (Hg.): Reichsstadt Weißenburg. Ein Rundgang durch das Reichsstadtmuseum und die historische Altstadt. Treuchtlingen / Berlin 2000 (= Gelbe Taschenbuch-Führer), S. 64-66.
  • Ulf Beier: Von der Höll- zur Paradeisgasse. Straßen- und Wohnstättennamen in Weißenburg. 2. Aufl. Weißenburg 2000, S. 80.
  • Germania Judaica. Band III: 1350-1519, Teilband 2, Tübingen 1995, S. 1570-1574.
  • Moritz Stern: Die Vertreibung der Juden aus Weißenburg 1520. In: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland 1 (1929). S. 297-303.