Jüdisches Leben
in Bayern

Weiden Synagoge

Zum Gottesdienst traf man sich in den ersten Jahren in einem Betsaal im Privathaus von Joseph Wilmersdörfer. Der Synagogenverein beauftragte sofort nach seiner Gründung im Februar 1889 den Weidener Baumeister Peter Weiß mit der Planung einer Synagoge. Zu diesem Zweck hatte man am westlichen Stadtrand ein Grundstück (Ringstr. 17) erworben. Der Stadtmagistrat genehmigte das Bauvorhaben im März 1889 und förderte dessen Finanzierung mit einem zinsgünstigen Darlehen. 

Bis zum Herbst des Jahres entstand ein dreigeschossiges Gebäude auf annähernd quadratischem Grundriss. Das Obergeschoss zierten neugotische Maßwerkfenster. Neben dem Betsaal, der fast das gesamte Obergeschoss einnahm, bot das Haus Platz für die Schule, die Lehrer- und Hausmeisterwohnung sowie eine kleine Küche. Am 20. September 1889 erfolgte die Einweihung durch den Floßer Rabbiner Israel Wittelshöfer. In der modernen Ausstattung des Betsaales und durch die Wahl von gotisierenden Architekturteilen, die eigentlich zum Inbegriff des christlichen Kirchenbaus gehören, drückte sich die Aufgeschlossenheit und Reformorientiertheit der Weidener Kultusgemeinde aus.

1905 machten sich gravierende Mängel am Bau des Gotteshauses bemerkbar. Brandschutz und neue Rettungswege mussten installiert werden. Der zahlenmäßig stark angewachsenen Gemeinde bot der Betsaal an stark frequentierten Festtagen zu wenig Platz. Auch der Schulraum war zu klein geworden. Man behalf sich, indem man mehrere Räume zusammenlegte. Nach einer Sanierung der Sanitäranlagen und der Lehrerwohnung waren die Arbeiten im November 1905 beendet.

Während des Novemberpogroms 1938 stürmten SS-Leute am 10. November um 2 Uhr früh die Synagoge und schlugen im Betsaal die gesamte Einrichtung kurz und klein. Torarollen, Gebetsbücher und sakrale Gegenstände wurden auf die Straße geworfen und vernichtet. Im folgenden Jahr ging das Gebäude durch Kauf in den Besitz des Zuckerwarenfabrikanten Engelmann über.

1948 konnte die neue Kultusgemeinde die einstige Synagoge (Ringstaße 17) erwerben. Da sie in der Zwischenzeit als Lager- und Bürohaus der benachbarten Zuckerwarenfabrik gedient hatte, musste sie erst wieder zu einem jüdischen Gemeindezentrum umgebaut werden. Die erneuerte Synagoge mit großem Betsaal, einem Veranstaltungs- und Unterrichtsraum, Büro, Arbeitszimmer und Küche wurde am 30. Oktober 1948 von Dr. Philipp Auerbach, dem Präsidenten des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, eingeweiht. 1970 wurde noch eine Mikwe eingebaut. Mit den einfachen Fenstern, die die ehemaligen, während des NS-Regimes zugesetzten Spitzbogenfenster ersetzen, gleicht das Gotteshaus seitdem eher einem Wohnhaus. Lediglich das Eingangsportal mit seiner Rahmung verweist auf die Geschichte und Funktion des Gebäudes.


(Christine Riedl-Valder)

Literatur

  • Jüdische Gemeinde Weiden (Hg.): Geschichte der jüdischen Gemeinde Weiden von Beginn bis heute, Weiden i. d. OPf. 2013
  • Hager, Angela / Berger-Dittscheid, Cornelia: Weiden, in: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg i. Allgäu 2007, S. 309-319
  • Brenner, Michael / Höpfinger, Renate: Die Juden in der Oberpfalz, München 2009
  • Schott, Sebastian: "Weiden a mechtige kehille": eine jüdische Gemeinde in der Oberpfalz vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, 2. verb. Aufl., Pressath 2003

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