Jüdisches Leben
in Bayern

Walsdorf Synagoge

Anfangs trafen sich die Juden in Walsdorf vermutlich in Privathäusern zum gemeinsamen Gottesdienst. 1731 genehmigte die Gutsherrschaft den Bau einer Synagoge mit Schulräumen. Sie wurde 1732 auf Crailsheimschem Grundbesitz errichtet (alte Haus-Nr. 95 1/2, Plan Nr. 44, heute Brunnenweg 12).

Das Haus blieb bis 1862 im Besitz der Herren von Crailsheim und ging dann in das Eigentum der jüdischen Gemeinde über. Schon 1831 hatte die Kultusgemeinde eine neue Synagogenordnung verabschiedet und darin ihre reformorientierte Gesinnung zum Ausdruck gebracht. Nach dem Erwerb des Gebäudes wurde es umfassend umgebaut und am 9. August 1862 durch den Distriktsrabbiner Dr. Hartwig Werner aus Burgebrach neu eingeweiht. Weitere Sanierungen des Hauses erfolgten 1903 und 1930.

Beim Novemberpogrom 1938 kamen SA-Leute aus Bamberg nach Walsdorf, brachen die Synagoge auf und zerstörten Türen, Fenster und die gesamte Einrichtung. Am darauffolgenden Tag, dem 10. November, verbrannten sie vor dem Gebäude die Messbücher und alle auffindbaren Utensilien der Gebetsstätte. Die Synagoge blieb bis 1940 im Besitz der jüdischen Gemeinde und wurde schließlich an den Walsdorfer Büttnermeister Johann Kaiser verkauft. Der massive Saalbau mit flachem Satteldach und hohen Rundbogenfenstern, die heute zum Teil zugesetzt sind, diente in der Folgezeit als Lagerraum. In dieser Funktion existiert die ehemalige Synagoge von Walsdorf bis heute.

Das Gebäude der ehemaligen Synagoge Walsdorf (heute Brunnenweg 12) ist im Bayerischen Denkmal-Atlas aufgeführt.

 

(Christine Riedl-Valder)

Literatur

  • Haas, Hans-Christof: Walsdorf, in: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg i. Allgäu 2007, S. 214-220