Die erste Synagoge in Viereth war ein privater Betraum, über dessen Standort nichts bekannt ist. Bereits vor 1760 richten die Vierether Juden im Anwesen Nr. 10 (heute Blumenstraße 11) ein Gemeindezentrum ein. Der Gebäudekomplex bestand aus der Synagoge, dem Schulhaus, eine Wohnung und einem rituellen Bad. Eine spätere Beschreibung lokalisiert die Synagoge im Erdgeschoß und das Schulzimmer mit der Lehrerwohnung im Obergeschoß. Der Gebäudewert betrug im Jahr 1835 rund 300 Gulden. Wahrscheinlich wegen Baufälligkeit wurde die Synagoge 1862 für 400 Gulden an Marx Hellmann verkauft, der es als Wohnhaus nutzte. Dafür erwarb die IKG das Anwesen Nr. 15 (heute Blumengasse 17), richtete dort eine Schule im Erdgeschoß und im oberen Stock eine Synagoge ein.
Zur Finanzierung hatte die Gemeinde bereits 1861 bei den Behörden die Durchführung einer Sammlung in den jüdischen Gemeinden Bayerns beantragt. Das Geld sollte "zum Zwecke der Einrichtung und baulichen Adaptirung (sic) eines Locales für den Gottesdienst, den Unterricht und die Lehrerswohnung" verwendet werden. Diese Kollekte erbrachte bis 1862 etwa 680 Gulden ein, wobei die unterfränkischen Gemeinden mit fast 240 Gulden die größten Spender waren (Königlich Bayerisches Kreisamtsblatt für Oberfranken, 14. Januar 1863).
Im Zusammenhang mit der geplanten Zusammenlegung der Kultusgemeinde mit Bamberg wurde bereits 1904 ein grundlegender Renovierungsbedarf des Gebäudes festgestellt. Der Wert wurde auf 1500 Mark und die Einrichtung (Bänke, Leuchter, Gesetzesrolle) auf 200 Mark geschätzt. In der Zeitschrift "Der Israelit" wurde 1904 der Verkauf der Ritalien angeboten: "Wegen Auflösung der Kultusgemeinde Viereth werden zwei noch gut erhaltene Sefer-Thoras, 6 Perochos, dieselbe sind mit Gold und Seide ausgearbeitet, mehrere Mäntelchen, sechs messinge Leuchter preiswert abgegeben. Offerten richte man an A. Wiesenfelder, Viereth bei Bamberg".
Die Zusammenlegung der Gemeinden erwies sich als unvermeidlich, daher wurde bis 1910 das Gebäude an christliche Privatpersonen verkauft. Aufgrund der Umbauten zu einem Wohnhaus weist heute nur noch das große Rundfenster unterhalb des Giebels auf die ehemalige Funktion hin. Die ehemalige Synagoge ist im Bayerischen Denkmal-Atlas aufgenommen.
(Patrick Charell)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Blumenstraße 17, 96191 Viereth-Trunstadt
Literatur
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 238.
- Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 328f.
