Jüdisches Leben
in Bayern

Untereisenheim Synagoge

Eine Synagoge (ehemals Hadergasse 2) ist in Untereisenheim erstmals kurz nach der Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisbar. Auf die besondere Bedeutung des 1859/1860 errichteten, von einem unbekannten Architekten geplanten Gebäudes wiesen in der südlichen Giebelfassade der von einem Rundbogen eingefasste und von zwei Rundbogenfenstern flankierte Haupteingang und zwei gekoppelte, im Giebelfeld angeordnete Rundbogenfenster hin. Das Mauerwerk des auf einem Sockel ruhenden Massivbaus mit Satteldach, dessen Giebel sich an der Hadergasse orientierte, bestand aus dem ortsüblichen Muschelkalk. Anders als sonst in der unterfränkischen Synagogenarchitektur üblich blieb das kleinteilige, unregelmäßige Mauerwerk aus Naturstein unverputzt.

Der Betsaal war wahrscheinlich im nördlichen, rückwärtigen Teil der Synagoge untergebracht. Zu seiner Ausstattung lassen sich mangels Quellen bisher keine Aussagen treffen. Rund zehn Jahre später kam es im November 1868 zwischen der Untereisenheimer jüdischen Gemeinde und dem Mainbernheimer Distriktsrabbiner Immanuel Adler zum Konflikt. Der Geistliche kritisierte die aus seiner Sicht unangemessene Nutzung der Mikwe als "Wannenbad" und forderte den umgehenden, regelkonformen Umbau des Tauchbads. Da die jüdische Gemeinde nicht sofort reagierte, gab Adler im April 1869 einen Umbauplan in Auftrag. Bis zur Umgestaltung der Mikwe nach den Vorstellungen des Rabbiners im August 1870 vergingen allerdings rund noch eineinhalb Jahre. 

Laut Überlieferung fanden in der Untereisenheimer Synagoge bereits seit 1904 keine Gottesdienste mehr statt. Nachdem die Ritualien zuvor in den Besitz anderer Gemeinden übergegangen waren, wurde das Gebäude laut einem Bericht der "Neuen Würzburger Zeitung" vom Januar 1910 zum Verkauf angeboten und nach der Veräußerung als Scheune genutzt. Nach dem erneuten Verkauf der ehemaligen Synagoge wurde 1938/1939 ein Tor in die Giebelfassade des Gebäudes eingebaut, dessen Dach erneuert wurde. Zu Beginn der 1970er Jahre wurde die ehemalige Synagoge abgerissen, an deren Standort heute eine Garage steht. Die verfüllte Mikwe grub der jetzige Eigentümer wieder aus.


(Stefan W. Römmelt)

Literatur

  • Gerhard Gronauer / Hans-Christof Haas / Cornelia Berger-Dittscheid: Schwanfeld mit Untereisenheim. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1518-1553.