Jüdisches Leben
in Bayern

Ullstadt Synagoge

Im Jahr 1743 besuchten Gläubige aus Sugenheim einen privaten Betraum in Ullstadt. Auch im frühen 19. Jahrhundert gab es nur ein Andachtszimmer im Haus von Hirsch Sternschein – dem Kunsthistoriker Theodor Harburger zufolge existierten damals sogar zwei Beträume, einer im Dachboden des Hauses Nr. 41 (heute Galgenstraße 6) und einer im Haus Nr. 10a (Lange Straße 12). 1822 wurde eine Synagoge eingeweiht, die als Anbau an das bestehende jüdische Schulhaus (heute Buchstraße 10) den schadhaften rückwärtigen Giebel stabilisierte.

Das eingeschossige Schul- und Synagogengebäude bekam durch den Anbau einen L-förmigen Grundriss. In dem älteren, der Straße zugewandten Teil richtete man die Wohnung des Vorsängers ein, und der neue Gottesdienstraum wurde im Norden als Massivbau ausgeführt. Der Zugang lag im Westen, über einen kleinen überdachten Vorplatz. Im Osten zeichnete sich der Standort des Toraschreins durch einen Erker an der Außenmauer ab, darüber war im Fachwerkgiebel das Misrachfenster eingelassen. Im Osten und Norden erhellten je zwei Fenster den kleinen, 5 auf 5 Meter messenden Saal. Die Südwand war fensterlos, weil sich dafür der Treppenaufgang zur Frauenempore befand. Erhalten sind noch Fassungsreste, die auf eine blaue Wandbemalung mit einer rot abgesetzten Schablonierung schließen lassen. Zwei Löwenhäupter flankierten den Toraschrein.


Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 nötigte die Bürgergemeinde Ullstadt die Juden zum Verkauf des Ensembles, wobei sie sich eines absichtlich negativ formulierten Gutachtens des Bezirksbaumeisters Pickel bediente. Das gewiss marode Gebäude wurde nicht wie Pickel wünschte abgerissen, sondern sollte zu einem Turnsaal für HJ und SA werden. Weil auch dafür die finanziellen Mittel fehlten, wurde das leer geräumte Gebäude am 5. Oktober 1935 an den Nachbarn Friedrich Wiegel verkauft, der es im Folgejahr zu einem Stall umbauen ließ. Das Doppelgebäude blieb dank verschiedener Renovierungsmaßnahmen erhalten. Es dient heute als Wohn- und Lagerhaus.


(Patrick Charell)

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Buchstraße 10, 91484 Sugenheim

Literatur

  • Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Ullstadt. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 705-711.