Jüdisches Leben
in Bayern

Uffenheim Synagoge

Im frühen 18. Jahrhundert feierte die Gemeinde ihre Gottesdienste in einer „Judenschul“, also einem Betsaal im Haus des Seligmann Lazar (heute Ansbacher Straße 2). Offiziell war sie jedoch nicht genehmigt und zog öfters den Zorn der Ortspfarrer auf sich. Nachdem Seligmann sein Anwesen 1734 an den Schuhmacher Hangs Georg Lutz verkauft hatte, verlegte die Gemeinde ihre Betstube in das Haus des Aaron Berlein, der 1735 von Welbhausen nach Uffenheim gezogen war. Da der Raum „gegen die Gasse heraus“ lag, fühlte sich die christliche Bevölkerung durch die damals noch übliche Praxis des gesungenen Gebets gestört und der Stadtvogt verbot alle Gottesdienste. Daraufhin wandte sich die Judenschaft mit einer Bitschrift an den markgräflichen Amtmann Christoph von Seckendorff-Aberdar. Kurz darauf konnten wieder Gottesdienste in der Synagoge stattfinden, gegen die freilich weiterhin Beschwerden beim Stadtrat eingingen. Zwischen 1808 und 1880 gingen die Uffenheimer Juden in die Synagoge in Welbhausen. Am 4. Juni 1880 stellte die Gemeinde den Antrag, einen eigenen Betsaal im Ort einrichten zu dürfen: Offiziell, weil der Weg nach Welbhausen zu weit war, aber wohl eher, um sich in der Verbundgemeinde vom Nachbarn zu emanzipieren. Gegen den Abtrag legten die Welbhausener Juden vergeblichen Widerspruch ein. Ein Betsaal befand sich zumindest 1889 im Haus des Georg Krämer (heute Spitalplatz 6).

Langfristig konnte ein angemieteter Betsaal keine befriedigende Lösung sein. Die Diskussion über den Bau einer freistehenden Synagoge zog sich über Jahre hin: Die Finanzierung war schwierig, außerdem war man sich auch seitens der Behörden unklar, ob es angesichts des bestehenden Gotteshauses in Welbhausen überhaupt eine weitere Synagoge in der Kultusgemeinde brauchte. Erst am 14. August 1889 setzte sich eine Majorität durch, der Stadtrat schloss den privaten Betsaal, und der Bau einer Synagoge in Uffenheim wurde in die Wege geleitet. Am 25. Oktober kauften die Gemeindevorsteher Meier Zucker, Josua Flamm und Meier Goldschmied an der nördlichen Peripherie der Altstadt das Anwesen Hundsgasse 39 (heute Ringstraße 20 und 22) als Bauplatz. Regionale Handwerksmeister begannen unter dem Bauingenieur Georg Strebel im Frühjahr 1890 mit den Arbeiten. Bereits am 5. September 1890, einem Freitag, fand die Einweihung der Synagoge statt. Zahlreiche Honoratioren, Geistliche und die christliche Bevölkerung nahmen regen Anteil. Das schmale Grundstück grenzte mit seiner Südseite an die heutige Ringstraße.

Das Gotteshaus befand sich weit zurückgesetzt und stand, wegen der notwendigen Ostausrichtung des Toraschreins (hier leicht nach Südosten abweichend), quer zur Längsachse des Bauplatzes. Die Schaufassade lag daher an der breiten Südseite. Über einen repräsentativen Vorgarten gelangten die Männer durch ein mittig vorspringendes Hauptportal direkt in den quadratischen Betsaal, der im Osten zwei Drittel der Grundfläche einnahm. Das linke, westliche Seitenportal führte in einen schmalen Vorraum. Von dort öffnete sich eine Tür zum Betsaal, direkt gegenüber dem neuromanischen Toraschrein. Eine Treppe führte zur Frauenempore im Obergeschoss und in den Keller, wo auch die Mikwe untergebracht war. Die ornamentale Brüstung der Empore, ein Zierstreifen und eine Holzvertäfelung belebten die Westseite des Betsaals im Kontrast zur schlichten Ostseite. Gerade dadurch hob sich aber der Toraschrein in einer hohen Apsis noch weiter hervor. In der Stadtsilhouette von Uffenheim bildete die Kuppel des Gebäudes zwar nicht die höchsten, aber doch eine dominante Erhebung. Vielleicht stand für den Uffenheimer Entwurf die monumentale, 1887 fertig gestellte neuromanische Münchner Synagoge in der Herzog-Max-Straße Pate. Probleme gab es jedoch schon kurz nach Fertigstellung mit dem Ritualbad, dessen Wasserzufuhr nicht wirklich funktionierte. 1894, 1903 und 1917 musste man nachbessern.

Als das Grundstück mit allen Gebäuden im Jahr 1938 in den Besitz der Stadt übergegangen war, diente die ehemalige Synagoge kurzzeitig der Hitlerjugend und wurde wohl im Laufe des Jahres 1939 abgerissen – hierzu schweigen die Quellen. Aus den Steinen errichteten die Machthaber ein Behelfswohnheim in der Bahnhofstraße. Auch auf dem Standort des Gotteshauses wurden zwei Häuschen für Kriegsflüchtlinge errichtet, von denen eines noch heute steht.


(Patrick Charell) 

Bilder

Literatur

  • Barbara Eberhardt / Barbara Berger-Dittscheid: Uffenheim. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 691-704.