Der erste bekannte jüdische Betsaal in Uehlfeld befand sich im Haus von Kaufman Marx (Mordechai), der an jeden Schabbat sein Haus für die Gemeinde öffnete. Das Haus befand sich in direkter Nachbarschaft zum Pfarrhaus, also in unmittelbarer Nähe zur evangelischen Pfarrkirche St. Jacobus (heute Hauptstraße 27). Der genaue Standort oder weitere Angaben zum Aussehen des Saals sind bislang unbekannt. 1696 wurde auf dem heutigen Anwesen Kirchenstraße 6 vom Juden Salomon ein zweistöckiges Haus errichtet und dann zur Synagoge umfunktioniert. Das Uehlfelder Gotteshaus war „weit beßer als in Bayersdorff“ und in seiner Bausubstanz derart solide, dass es nach 1818 als Schulhaus weiter benutzt wurde. Dank der erhaltenen Umbaupläne und eines Baugutachtens von 1820 sind viele architektonische Details überliefert, obwohl die Synagoge beim großen Brand von 1888 vollständig zerstört wurde: Sie war 4,7 Fuß lang und 25 ½ Fuß breit, das Erdgeschoss massiv aus Stein erbaut, der erste Stück aus Fachwerk ausgeführt, mit einem hohen Ziegel-Walmdach und zwei Schornsteinen. Äußerlich wies nichts auf seine sakrale Funktion hin. Im Erdgeschoss befanden sich zwei Wohnungen und eine überdachte Treppe führte an der Außenwand entlang zum Betsaal im ersten Stock, der von einem hölzernen Tonnengewölbe abgeschlossen wurde. Eine „dünne Wand“ trennte dort die Frauen- von der Männerabteilung.
Am 4. Dezember 1814 erwarb die Kultusgemeinde von den Brüdern Joseph und Mayer Veist ein Grundstück, dass an seiner östlichen Seite direkt an die bisherige Synagoge angrenzte, um dort ein neues Gotteshaus zu errichten (heute Raiffeisenstraße 7). Die staatliche Genehmigung wurde am 25. Februar 1815 erteilt, doch der Baubeginn verzögerte sich noch bis Juli: Das Grundstück erwies sich als kleiner denn ursprünglich angenommen, die christlichen Anwohner protestierten. Nach einem Lokaltermin wurden einige Grenzstöcke versetzt und die Gemeinde kaufte von den Veists noch einen Teil eines weiteren Hofes hinzu. Jetzt verlegten sich christliche Protestführer auf das Judenedikt von 1813: Es lebten ohnehin mehr Juden im Ort als durch die Matrikelliste vorgesehen, daher würde ein Neubau diesen Missstand nur noch fördern. Letztendlich wurde die Synagoge nach Plänen des Maurermeisters Johann Georg Ziel doch noch erbaut und am 6./7. März 1818 mit großen Feierlichkeiten eingeweiht. Das freistehende, zweigeschossige Gotteshaus im Stil des Klassizismus war in drei zu fünf Fensterachsen gegliedert und von einem hohen Walmdach überragt. An der schmalen Ostseite ragte der Toraschrein als Standerker hervor, flankiert von zwei hohen Fensterbahnen. Die nach Geschlechtern getrennten Zugänge mit zwei kleinen Freitreppen lagen an der Westseite, wobei die Männer vom Süden und die Frauen vom Norden her die Synagoge betraten. Über dem Nordportal befand sich in einem Kranz mit dem Anfangswort des Psalms 68,27, das als Chronogramm umgerechnet die Jahreszahl 1818/19 ergab. Eine Treppe führte zur aufwendig geschnitzten Frauenempore hinauf, während die Männer den Betsaal über einen Vorraum betraten. Dort stand Psalm 118,6 („Willkommen im Namen des Ewigen!“). Die Gläubigen stiegen drei Stufen hinab in den Saal, der von einer Flachdecke abgeschlossen wurde. Feste Bänke (Subsellien) mit Schiebern zur Bücherablage flankierten eine zentrale, achteckige Bima und den prächtigen Toraschrein, die Hauptzierde der Synagoge. Die gemischte, konservativ-moderne Ausstattung spiegelte das Ringen um Reformen innerhalb der Gemeinde. Die neue Synagoge war der Prototyp einer Reformsynagoge und machte weit über die Grenzen der Region hinaus Eindruck. Unter anderem erbaute die Kultusgemeinde Ermreuth im Landgericht Gräfenberg ihr neues Gotteshaus nach den Uehlfelder Bauplänen.
Beim großen Dorfbrand vom 25. Mai 1888 brannte die Synagoge aus. Die Feuerversicherung zahlte 10.456 Mark aus, die Kosten für den Wiederaufbau von Synagoge und Schulhaus beliefen sich jedoch auf rund 35.000 Mark. Die Differenz sollte aus Spenden, Umlagen, einem Zuschuss des Kreisfonds sowie einer Kollekte bei allen israelitischen Kultusgemeinden Bayerns zusammenkommen. Das Bezirksamt Neustadt äußerte sich dazu: „Es wäre geradezu zu bedauern (sic), wenn die frühere dem Markte Uehlfeld zur Zierde und der israelitischen Cultusgemeinde zur Ehre gereichende schöne Synagoge nicht wieder in würdiger Gestalt aus der Asche sich erheben würde“. Nach einer begrenzten Ausschreibung zeichnete der Bamberger Baumeister Fuchs die Pläne für die „Restaurung der Sinagoge“. Die Schäden betrafen vor allem den Dachstuhl, sodass der Neubau unter weitgehender Wiederverwendung des alten Mauerwerks vonstattenging. Der Grundriss, die Eingänge und die Anordnung der Fenster blieben daher gleich. Das Walmdach hatte eine geringere Neigung und ragte daher nicht so weit hoch auf, andererseits bekam der Betsaal ein hohes Spiegelgewölbe, das in die Dachkonstruktion hineinreichte. Dieses war auch nötig, weil das Bodenniveau um ca. 80 cm angehoben wurde, wodurch die Stufen am Eingang vom Vorraum entfielen. An der ganzen Schmalseite im Westen führte nun eine große Freitreppe zu den vergrößerten Portalen für Männer und Frauen. Ein Mittelgang teilte die Bankreihen mit 64 Sitzplätzen in zwei Blöcken. Im Osten folge ein Podest, auf dem sich das Pult des Vorsängers, der Almemor bzw. Bima und der neuromanische Toraschrein befanden. Die dreiseitige Frauenempore reichte nun weiter nach Osten in den Betsaal hinein und hatte ebenfalls Sitzbänke. Diese neue Synagoge wurde am 30. August 1889 eingeweiht.
Am Abend des 9. Novembers 1938 schärfte NSDAP-Kreisleiter Julius Seiler aus Neustadt an der Aisch den Ortsgruppenleitern in Wilhermsdorf und Uehlfeld ein, nichts gegen die jüdische Bevölkerung zu unternehmen. Dennoch ging die Synagoge am 10. November kurz nach 9 Uhr in Flammen auf. Auch hier war NSDAP-Ortsgruppenleiter Wilhelm Müller mit zwei weiteren Tätern der Hauptverantwortliche, denn er kaufte in der örtlichen Tankstelle über 20 Liter Petroleum und 15 Liter Benzin. Vom Gotteshaus blieben nur noch die Außenmauern. Die Ruine, der Friedhof und die Schule gingen am 18. September 1939 für insgesamt 2000 RM in das Eigentum der Marktgemeinde Uehlfeld über. Wegen des niedrigen Preises musste sie eine Ausgleichsabgabe von weiteren 500 RM an das Deutsche Reich zahlen. Auf dem Grundstück sollte ein neues Rathaus entstehen, doch verhinderte der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs dieses Vorhaben. Die ehemalige Synagoge und die Schule gingen am 26. Juni 1950 nach einem Vergleich mit der JRSO erneut in den Besitz der Marktgemeinde Uehlfeld über. Das Gebäude wurde später an die Raiffeisenbank verkauft und als landwirtschaftliches Lager genutzt. Die Einrichtung eines Museums ist seit längerem im Gespräch
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Raiffeisenstraße 7, 91486 Uehlfeld
Literatur
- Eberhardt, Barbara / Haas, Hans-Christof: Uehlfeld, in: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler, Lindenberg i. Allgäu 2010, S. 663-690
