Jüdisches Leben
in Bayern

Sulzbürg Synagoge

Bis zum 18. Jahrhundert gibt es über Beträume bzw. Synagogen nur wenige Informationen. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts soll jedoch eine Synagoge (oder zumindest ein Betraum) am Ort vorhanden gewesen sein. Nach einer Überlieferung wurde sie 1677 erbaut beziehungsweise. Die Zeichnung des Hochzeitssteines mit dieser Jahreszahl ist noch bekannt. Eine andere Quelle nennt das Jahr 1706 für einen Synagogenbau. Hierbei handelte es sich um einen Anbau an eines der Judenhäuser, das 1942 abgebrochen wurde oder um ein Bethaus auf demselben Grundstück wie die spätere Synagoge von 1799.  

1799 wurde ein jüdisches Gotteshaus auf dem Grundstück Engelgasse 14 errichtet. Aufgrund fehlender Finanzmittel hatte die Kultusgemeinde erst nur einen Umbau des bestehenden Betsaals ins Auge gefasst, doch der reiche jüdische Geschäftsmann Hirsch Natan, der alle anfallenden Kosten übernahm, ermöglichte einen Neubau. Es entstand ein in den Hang gebautes, solides Bauwerk auf rechteckigem Grundriss mit Schopfwalmdach, das einen großen, zweigeschossigen Betsaal, die Wohnung des Kultusbeamten, die Schule und den Gemeinderaum beherbergte.

1849 erfolgte eine Renovierung der Synagoge mit einer neuen, reformorientierten Gestaltung des Betsaales. Trotz stark rückläufiger Mitgliederzahl und schwierigen finanziellen Verhältnissen gelang der Kultusgemeinde 1926 eine weitere, grundlegende Renovierung ihres Gotteshauses, die mit einer festlichen Messe ihren Abschluss fand.


Am Morgen des 10. November 1938 verwüsteten SA-Männer die Inneneinrichtung der Synagoge, schlugen die Einrichtung kaputt und ließen sakrale Gegenstände und Gebetbücher verbrennen. Danach verblieb der Betsaal im zerstörten Zustand, während im Schulzimmer Veranstaltungen des Jungvolks und des Bundes Deutscher Mädel durchgeführt wurden. 1942 hat man das Gebäude verkauft. Im Zuge des anschließenden Umbaus zu einem Wohn- und Geschäftshaus wurden u.a. die Fenster des Betsaales zugemauert, neue Öffnungen herausgebrochen und das Innere in Wohn-, Lager- und Geschäftsräume aufgeteilt. Im Frühjahr 1944 wurde noch das Dachgeschoss ausgebaut. Die ehemalige Synagoge ist in der Substanz erhalten und wird bis heute als Wohnhaus genutzt.

 

(Christine Riedl-Valder)

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Engelgasse 14, 92360 Mühlhausen

Literatur

  • Hans Georg Hirn: Jüdisches Leben in Neumarkt und Sulzbürg. Neumarkt i. d. OPf. 2011.
  • Angela Hager / Cornelia Berger-Dittscheid: Sulzbürg. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 300-308.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3. Fürth 1998, S. 718-721.