Jüdisches Leben
in Bayern

Sulzbach-Rosenberg Synagoge

Ab den 1660er Jahren siedelten sich zunehmend jüdische Familien in Sulzbach an. Sie feierten ihre Gottesdienste anfangs in dem Privathaus von Feustel Bloch (+1668), dem Begründer der Kultusgemeinde, dann bei dessen Sohn Moses Bloch und seinem Schwiegersohn Josef Hirsch. In der Zeit, als das Ortsrabbinats 1708 begründet wurde, fanden die Messen schon in einem eigenen Haus statt. Das Gebäude im sog. „Löchlein“ (Plan Nr. 196; heute: Synagogenstr. 9) war 1687 in den Besitz der Gemeinde gekommen und zur Synagoge umgebaut worden.

In den 1730er Jahren wurde das Anwesen baufällig. Durch den Mitgliederzuwachs war es mittlerweile auch zu klein geworden. Da der am kurfürstlichen Hof tätige, jüdische Kaufmann Jakob Josef Schwabacher, der seit 1722 auch als Gemeindevorstand wirkte, das Vorhaben finanziell stark unterstützte, entschloss man sich für einen Neubau. Das neue Gotteshaus wurde ganz in der Nähe der alten Synagoge direkt an der Stadtmauer errichtet und war bis 1740 fertiggestellt. Durch die vorgeblendete Tempelfront und seine spätbarocke Formensprache setzte es einen auffälligen Akzent innerhalb des Stadtbildes.

Die Synagoge fiel zusammen mit anderen jüdischen Einrichtungen dem großen Stadtbrand am 9. Juni 1822 zum Opfer. Rabbiner Isak Aronson Mannheimer (1750-1838) hatte nur noch sechs Torarollen aus den Flammen retten können. Alles andere verbrannte. Das ebenfalls zerstörte Memorbuch der Gemeinde konnte der Gemeindediener Meir Levinger glücklicherweise aus dem Gedächtnis rekonstruieren. Danach fanden die jüdischen Gottesdienste übergangsweise im Privathaus der Familie Rothschild statt. Dank einer großen Anzahl von Spenden konnte Baumeister Johann Michael Rhein aus Sulzbach schon bald die Planung einer neuen Synagoge in Angriff nehmen. Sie entstand auf dem Grundstück der alten Synagoge, war nun jedoch deutlich von der Stadtmauer abgerückt und in der architektonischen Formensprache an die bürgerlichen Wohnhäuser der Umgebung angepasst. Am 31. August 1827 erfolgte die feierliche Einweihung. Das dazu gedruckte Programm listet genau den Ablauf der Feierlichkeiten auf.

Da die Mitgliederzahl der Kultusgemeinde im Verlauf des 19. Jh. jedoch stark abnahm, konnte ab Mitte der 1920er Jahre die für den jüdischen Gottesdienst erforderliche Anzahl an religionsmündigen Männern immer schwerer erreicht werden. Ab 1930 fand in der Sulzbacher Synagoge kein Gottesdienst mehr statt.

1934 verlangte der Sulzbacher Stadtrat, in dem die NSDAP die Mehrheit hatte, dass die Judenschaft ihr Gotteshaus der politischen Gemeinde zur gemeinnützigen Verwendung übereignen sollte. Es war geplant, darin ein Heimatmuseum zu errichten. Da die Kultusgemeinde aufgrund ihrer geringen Mitgliederzahl ihre baldige Auflösung erwartete, willigte sie in dieses Vorhaben ein. Torarollen und Rituale wurden zum größten Teil in die Amberger Synagoge verbracht, wo sie während des Novemberpogroms 1938 teilweise zerstört wurden. 1936 wurde das Heimatmuseum in der ehemaligen Synagoge eröffnet und die Synagogenstraße in Museumsstraße umbenannt.

Nach dem 2. Weltkrieg diente die ehemalige Synagoge noch bis 1947 offiziell als Heimatmuseum, wurde damals aber v.a. als Abstellraum genutzt. Nachdem man das Gebäude ausgeräumt hatte, fiel es nach etlichen Verhandlungen in den Besitz der Jewish Restitution Successor Organization und wurde 1951 an Privatleute verkauft. Bei dem anschließend erfolgten Umbau zum Wohnhaus hat man viele markante Merkmale des einstigen jüdischen Gotteshauses zerstört; z.B. wurden die Rundfenster zugemauert, neue Fensteröffnungen eingebrochen und der Innenraum zerteilt. Das klassizistische Hauptportal ist jedoch erhalten. Ein Schild erinnert hier an die einstige Funktion als Synagoge.

Das Gebäude wurde 2008 bis 2013 restauriert. Seit der Einweihung am 31. Januar 2013 wird die ehemalige Synagoge als Gedenkstätte und Dokumentationszentrum für die Geschichte der Juden in der Oberpfalz genutzt.  


(Christine Riedl-Valder)

Ein beeindruckendes Zeugnis der jüdischen Geschichte Sulzbachs ist die sogenannte Sulzbacher Torarolle. Sie wurde 1793 auf Pergament geschrieben und ist 24 Meter lang und 65 Zentimeter breit. Die Zeit der Anfertigung ergibt sich durch die folgende Passage am Ende der Rolle:  "Geschrieben durch den der sich mit der heiligen Arbeit beschäftigt Schalom der Toraschreiber, Sohn des Ja'aqow seligen Angedenkens aus Baiersdorf. Diese Torarolle kam hier in die neue Synagoge im Jahr 5553 [1793]."

Beim großen Sulzbacher Stadtbrand von 1822, der auch die Synagoge vernichtete, konnte die Rolle gerettet werden. Sie war dann eine der Torarollen der 1824 neu eingeweihten Sulzbacher Synagoge. Nach der Auflösung der Kultusgemeinde in Sulzbach 1930 wurde sie in die Synagoge nach Amberg verbracht. Die Pogromnacht im November 1938 mit der Zerstörungen der Amberger Ritualien überstand sie, da der Amberger Rabbiner Leopold Godlewsky die Rolle im Amberger Heimatmuseum in Sicherheit bringen konnte.

Nach Kriegsende blieb sie unerkannt im Toraschrein der Amberger Synagoge verwahrt, bis 2015 Rabbiner Elias Dray ihre besondere Bedeutung wieder entdeckte. Die Finanzierung der Restaurierung der Torarolle übernahm der Bund, die Restaurierung wurde in Israel durchgeführt. Den Abschluß der Restaurierung bildete im Januar 2021 ein Festakt im Andachtsraum de Deutschen Bundestags im Reichstagsgebäude. Hier wurde die letzten acht Buchstaben an das Ende der Torarolle geschrieben.

Im Oktober 2021 wurde die "Sulzbacher Torarolle" in einer Feierstunde wieder in die Synagoge Amberg zurückgebracht. Sie ist dort für die Verwendung im Gottesdienst vorgesehen.

Adresse / Wegbeschreibung

Synagogenstraße 9, 92237 Sulzbach-Rosenberg

Literatur

  • Johannes Hartmann (Hg.): Ehemalige Synagoge Sulzbach. Festschrift zur Eröffnung am 31. Januar 2013. Sulzbach-Rosenberg 2013.
  • Angela Hager / Cornelia Berger-Dittscheid: Sulzbach-Rosenberg. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 290-299.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3. Fürth 1998, S. 710-718.