Jüdisches Leben
in Bayern

Sugenheim Synagoge

Das jüdische Gotteshaus mit der Nummer 93 lag in der einst so genannten "Judengasse" (Plan-Nr. 93, heute Schloßstraße 35): Am 16. Mai 1755 gestatteten die Freiherren von Seckendorff die Errichtung einer Synagoge und verpachteten für einen jährlichen Grundzins von vier Reichstalern ein Grundstück. Zur Finanzierung des Baus begaben sich die Gemeindemitglieder Josef Hirsch und Beerlein Jacob auf eine Kollektenreise in Fulda-Hessisches Gebiet. Bereits am 7. August 1756 wurde die neue Synagoge mit einer feierlichen Prozession eingeweiht. Sie entsprach dem Rest der Judengasse, einer "Häuserzeile der armen Leute": Das nach Nordosten orientierte Haus war einstöckig und von einem ortsüblichen Krüppelwalmdach bedeckt. Nichts wies auf seine sakrale Funktion hin. Im Keller befand sich eine Grundwasser-Mikwe.

Vom Süden her führte ein gemeinsamer Eingang in einen Flur, linkerhand lag die Wohnung des Vorsängers, rechts ging es in den Betsaal, dessen weiße Decke mit goldenen Sternen verziert war. Der Raum wurde von je drei Fenstern im Norden und Süden sowie zwei Fenstern im Osten erhellt, der Toraschrein stand in einem auskragenden Erker mit Misrachfenster. Die gedrehten Säulen des Schreins imitierten die Marmorsäulen im alten Petersdom zu Rom, die als Relikte des salomonischen Tempels standen und heute in den Ädikulen der Vierungspfeiler verbaut. Sie inspirierten zahlreiche christliche und jüdische Schreine der Barockzeit. Wohl durch ein Holzgitter war im Norden des Betsaals eine Frauenabteilung abgetrennt.

Die ehemalige Synagoge ging am 11. August 1939 in den Besitz der Bürgergemeinde Sugenheim über, die 1941 als neuer Eigentümer ins Grundbuch eingetragen wurde. In den letzten beiden Kriegsjahren richtete man zwei Behelfswohnungen für ausgebombte Familien ein. Nach 1945 blieb das Gebäude im Besitz des Marktes Sugenheim und wurde zum Wohnhaus umgebaut.


(Patrick Charell)



Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Schloßstraße 35, 91484 Sugenheim

Literatur

  • Barbara Eberhardt / Cornelia Berger-Dittscheid: Sugenheim. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 614-631.