Es ist nicht bekannt, wo sich die erste mittelalterliche Gemeinde vor 1337/38 versammelt hat. Da es auch in den christlichen Quellen keine Hinweise auf eine zerstörte oder zur Kirche umgebaute Synagoge gibt, dürfte es sich um einen Betraum in einem angesehenen Privathaus gehandelt haben. Seit 1676 fand in Steinach eine formelle jüdische Religionsausübung in einer Synagoge statt - darauf weist ein entsprechend datierter Torawimpel hin. Über diese barocke Synagoge am südöstlichen Ortsrand (Fürstengasse 1) ist weiter nichts bekannt, außer dass sich im Keller das Ritualbad befand. Die Architektur folgte dem für jüdische Landgemeinden üblichen Schema und unterschied sich äußerlich nur wenig von den anderen bäuerlichen Häusern.
Nach dem Verlust des Minjans hatten die wenigen verbliebenen Gemeindemitglieder bereits Ende 1936 die wertvolleren Kultgegenstände nach München verbracht und dem Verband der Israelitischen Gemeinden in München zur Aufbewahrung übergeben. Während des Novemberpogroms 1938 demolierte ein SA-Sturm die Inneneinrichtung. Das Gebäude selbst blieb erhalten, da bereits öffentlich geplant wurde, dort künftig die Gemeindeverwaltung unterzubringen. Nach Abschluss des Restitutionsprozesses erwarb die politische Gemeinde im Juni 1952 das Synagogengrundstück, brach die Mauern Mitte September nieder und errichtete 1971 eine Schule. Reste der Mikwe sind noch im Keller des Schulhauses vorhanden.
Persönlicher Dank für seine Recherche vor Ort geht an Thomas Beck, Geschäftsführer der Staatsbad und Touristik Bad Bocklet GmbH.
(Patrick Charell)
Bilder
Literatur
- Cornelia Berger-Dittscheid: Steinach an der Saale. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 274-301.
