Obwohl seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts kontinuierlich jüdische Familien in Sommerach lebten, gibt es über die Gemeindegröße keine Informationen. Es ist deshalb nur zu vermuten, dass es im 17. und bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wohl ein Betzimmer in einem der Privathäuser gab. Eine frei stehende Synagoge in Sommerach wurde 1810 behördlich genehmigt und im Folgejahr 1811 erbaut. Das Grundstück lag in zweiter Reihe, etwas versetzt zur Straße (heute: Turmstraße 13). Sie bildete das Kopfende dreier sich überkreuzender "Judengassen" in einem überraschend großen jüdischen Viertel.
Die Synagoge in Sommerach wurde 1813 während der Hepp-Gepp-Krawalle geschändet. Neben der Zerstörung der Inneneinrichtung wurden auch Torarollen zerrissen und zerschnitten. Von einer Ergreifung oder Verurteilung der Täter ist nichts bekannt. Das Gotteshaus wurde anschließend bis 1873 verwendet. Nach Auflösung der Kultusgemeinde in den 1880er Jahren wurde sie verkauft und zuletzt als Werkstatt und Unterstellhalle benutzt. Torarollen und andere Ritualien kamen großenteils in die Synagoge nach Kitzingen. Im Jahr 1908 befanden sich dort in der Synagoge eine Torarolle aus der Gemeinde Sommerach, sowie zwei Toramäntelchen und Toraschmuck aus Silber (Tass, Ez-Chajim und Jad). Nach Israel Schwierz (*1943) waren in den 1980er Jahren noch zahlreiche Gebäudeteile der ehemaligen Synagoge, wie die Eingangstür, Fenster und weiteres, im Original vorhanden. Trotzdem wurde das ehemalige Synagogengebäude am 23. Mai 1991 endgültig abgerissen.
(Wolfgang Jahn)
Literatur
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 122f.
- Rainer Erb / Werner Bergmann: Die Nachtseite der Judenemanzipation – Der Widerstand gegen die Integration der Juden in Deutschland 1780–1860. Berlin 1989, S. 236.
- Angabe von Elisabeth Böhrer auf Grund eines im StA Würzburg erhaltenen Schreibens vom 29.4.1817
