Bereits im ausgehenden 17. Jahrhundert wurde in Schweinshaupten aktiv die jüdische Religion praktiziert - darauf weisen zumindest die zwei Torawimpel von 1688 und 1698 hin. Weil die wenigen Familien aber noch keinen Minjan bilden konnten, versammelte sich die frühe Gemeinde bis zur bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts aller Wahrscheinlichkeit nach in einem privaten Andachtsraum. Erst als sich die jüdischen Bewohner zu einer Kultusgemeinde konstituierten und 1748 ein Gemeinde- bzw. Memorbuch anlegten, machte sie Pläne für ein eigenes religiöses Zentrum in Schweinshaupten.
Auf dem Grundstück Plan-Nr. 3 (heute Teil des Anwesens Judengasse 13) entstand ein Gemeindezentrum mit Synagoge mit Kellermikwe, die in der Aufnahme des frühen 19. Jahrhunderts erfasst wurde. Im Gebäude befanden sich auch die Lehrerwohnung und das Schulzimmer. Abbildungen oder Aufrisse haben sich nicht erhalten, aber wahrscheinlich folgte die Schweinshauptener Synagoge dem üblichen, eher schlichten Bauschema der Landgemeinden: Rechteckiger Grundriss, ein quadratischer Betsaal mit dem Toraschrein im Osten, Lehrerwohnung im westlichen Erdgeschoss, Schulraum im Obergeschoß mit Zugang zur Frauenabteilung. Insofern größere Reparaturen anfielen, sind sie nicht überliefert. Auch das Ritualbad scheint im Laufe seines Betriebs nicht allzu sehr beanstandet worden zu sein. Ab 1935 konnte die ausgedünnte Kultusgemeinde keinen Minjan mehr bilden. Die Archivalien und Ritualgegenstände kamen zum Verband der Bayrischen Israelitischen Gemeinden nach München.
Anfang 1938 wurde das Synagogengebäude unter dem Druck der neuen NS-Machthaber weit unter Preis verkauft. Das Novemberpogrom hatte auf das "arisierte" Gebäude keine Auswirkungen mehr. Nach widersprüchlichen Zeitzeugenaussagen rissen die neuen Besitzer das leer stehende Gebäude noch vor oder kurz nach 1945 ab. Das Grundstück ist heute ein Garten.
Literatur
- Axel Töllner / Hans-Christof Haas: Schweinshaupten. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 565-576.
