Jüdisches Leben
in Bayern

Schwebheim Synagoge

Aus einem Bericht des Landgerichts Schweinfurt vom 3. März 1817 lässt sich das Baujahr der ersten bekannten Schwebheimer Synagoge erschließen, die demnach wohl 1751 errichtet wurde. Dort findet sich auch die Bemerkung, dass die mit Erlaubnis der Dorfobrigkeit errichtete Synagoge Eigentum der Gutsherrschaft sei, die auch für die Bau- und Reparaturkosten aufkommen müsse. Im Gegenzug müssten die Schwebheimer Schutzjuden jährlich einen Gulden und 15 Kreuzer Schutzgeld an den Gutsherrn entrichten. 1809 waren Synagoge, Schule und Lehrerwohnung in einem Mehrzweckgebäude zusammengefasst.

 

Der genaue Ort der Schwebheimer Mikwe ist nicht bekannt, da diese 1829 in einem Gutachten, das ein Arzt im Auftrag des Landgerichts erstellt hatte, im Judenhof nicht genau verortet wurde. In seiner Stellungnahme kritisierte der Mediziner, dass in der Mikwe weder ein Ofen noch ein Kessel zur Erwärmung des Wassers vorhanden seien, so dass die Frauen die "Verkältung" drohe. Angeblich begründeten die Schwebheimer Juden dies mit den begrenzten finanziellen Ressourcen ihrer Gemeinde, da zu ihnen "kaum etliche wohlhabende, und gar keine Reiche" gehörten. Laut einem Schreiben des Bezirsksamts Schweinfurt aus dem Jahr 1855 plante die IKG Schwebheim, die baufällige Synagoge zu renovieren. Um das Vorhaben finanzieren und außerdem eine auf der Synagoge noch lastende Hypothek in Höhe von 250 Gulden abzahlen zu können, beantragte die jüdische Gemeinde eine bayernweite Kollekte. Die rund acht Meter lange und rund sieben Meter breite, auf einem rechteckigen Grundriss errichtete Synagoge ist ein zweigeschossiger Massivbau, den ein Satteldach abschließt. Die zur Judengasse orientierte, durchaus repräsentative Schaufassade des Gebäudes, das auf einem hohen Sockel aufsitzt und von zwei Lisenen links und rechts gerahmt wird, stammt wohl aus der Erbauungszeit der Synagoge in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Ursprünglich gliederten die Fassade vier Fensterachsen. Auf die besondere Bedeutung des Obergeschosses, in dem die Synagoge untergebracht war, wiesen die hochrechteckigen, aus Sandstein gefertigten Fensterstöcke hin. Der Zugang zu dem Mehrzweckgebäude, in dessen Erdgeschoss auch die Lehrerwohnung und der Unterrichtsraum untergebracht waren, wurde von dem Lehrer, den Schülern und den Gottesdienstbesuchern gleichermaßen benutzt. Der nach Osten zur Judengasse hin ausgerichtete Betsaal, dessen Frauenabteilung vermutlich im Westen lang, belichteten drei Fenster. Das relativ flach geneigte Dach, das als Mischform zwischen Sparren- und Plattendach konstruiert wurde, wurde wohl während oder nach der 1855 vom Bezirksamt Schweinfurt verlangten Renovierung im Verlauf des 19. Jahrhunderts gebaut.

An Ausstattungsgegenständen blieb ein aus Silberblech gefertigter, wohl um 1800 gefertigter Toraschild erhalten, der nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde Schwebheim in den Besitz der jüdischen Gemeinde Gochsheim überging. Gestiftet wurde der Toraschild von den Eheleuten Löb David Frank und seiner Frau Sprinz Frank und dem Ehepaar Jakob Salomon May und dessen Gattin Miriam Marianne May. Laut Theodor Harburger, der den Toraschild in den späten 1920er Jahren inventarisierte, zeichnet sich der Ritualgegenstand durch eine in Süddeutschland unikale, "sehr originelle Form" aus. Nach der Vereinigung der jüdischen Gemeinde Schwebheim mit der jüdischen Kultusgemeinde Gochsheim fielen Synagoge und Kultgegenstände 1905 an die jüdische Gemeinde in Gochsheim, die 1912 die ehemalige Synagoge in Schwebheim verkaufte. 2016 wurde in einem Depot des heutigen Museums für Franken auch der Toraschild aus Schwebheim wiederentdeckt.


(Stefan W. Römmelt)

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Judenhof 6, 97525 Schwebheim

Literatur

  • Gerhard Gronauer / Hans-Christof Haas: Gochsheim mit Schwebheim. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. II/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1365-1389.