Eine handschriftliche Quelle beschreibt ein großes Feuer in Schwabach, dem 1540 die erste Synagoge zum Opfer gefallen war: „Prunst Tzu Schwabach. Jm 1540 Verpronn der Juden Schuel unnd Hauß zZu Schwabach unnd wurd niemandts kein versetzt guet wider.“ Der Standort und die bauliche Gestalt dieses Gotteshauses sind nicht bekannt. Die wechselvolle Judenpolitik der Ansbacher Markgrafen und später der Ausbruch des Dreissigjährigen Krieges machten einen Neubau lange unmöglich, Gottesdienste fanden nur in privaten Beträumen statt. Erst 1685 konnte die Schwabacher Kultusgemeinde im Nordosten der Stadt einen großen Bauplatz erwerben. Zwei Jahre später entstand hier eine Synagoge mit Vorhof (Synagogengasse 6), und auf der gegenüberliegenden Seite ein Rabbinerhaus (Synagogengasse 7). Das Gotteshaus besaß einen rechteckigen Grundriss und vermutlich eine Toranische an der östlichen Schmalseite.
Bereits 1788 hatte Mosche Kröllinger eine Stiftung für den Bau einer neuen Synagoge eingerichtet. Elf Jahre später wurde das „alte höchst baufällige und unansehnliche“ Gotteshaus abgebrochen und im Lauf des Jahres 1800 an gleicher Stelle, wohl auch auf denselben Fundamenten ein massiver Neubau errichtet. Die Ausführung übernahmen Maurermeister Sixtus Carl und Zimmermeister Simon Meeth unter Aufsicht des Gemeindedeputierten Joel Bär Abraham Adler. Das neue Gotteshaus entsprach in seiner zurückhaltenden Bauart dem üblichen Typus einer Landsynagoge. Er wies als freistehender Kultbau zwar auf die Präsenz der jüdischen Gemeinde hin, ansonsten unterschied er sich kaum von den umgebenden Häusern. Nur ein Hochzeitsstein mit dem üblichen hebräischen Segenswunsch und dem Erbauungsjahr der Synagoge befand sich bis 1938 direkt über dem Eingang. Eine kleine Außentreppe führte zur Frauenabteilung im Obergeschoss, die an drei Seiten in den Betsaal hineinragte. Der zwei Stockwerke hohe Saal war vor allem im Osten durch Fenster hell erleuchtet. Unmittelbar vor dem Schrein stand die Bima, rechteckig und von einer hölzernen Balustrade umgeben. Ihr folgten Sitzbänke in drei Gruppen.
Am 10. August 1938 wurde die Synagoge von der schwindenden Kultusgemeinde für 5000 Reichsmark an den Brauereibesitzer Alois Weller verkauft, der sie zum Wohn- und Lagerhaus umbaute. Das Novemberpogrom 1938 hatte daher auf das Bauwerk keine Auswirkungen. Die Ritualien waren zum Landesverband nach München gekommen, darunter wertvolle Toraschrein-Vorhänge, eine Tora-Krone, ein Tora-Schild, ein Becher der Chewra Kadischa (heute im The Israel Museum, Jerusalem) sowie ein Tora-Wimpel von 1687.
Ab dem Dezember 1946 feierte die DP-Gemeinde in Schwabach ihre sporadischen Gottesdienste in der Synagoge, wobei sie einen Betraum im Erdgeschoss einrichtete. Nach der Emigration aller jüdischen DPs diente das Erdgeschoss bis 1993/94 wieder als Bierlager, die Wohnungen im Obergeschoß wurden vermietet.
1998 gründeten eine Bürgerinitiative aus Schwabach und Umgebung den "Verein Synagogengasse 6 e.V.". Er pachtete das von der Brauerei geräumte Gebäude und sorgte in den folgenden Jahren für eine Restaurierung des ehemaligen Synagogengebäudes. 2003 wurde die Frauenempore rekonstruiert, ein moderner Anbau errichtet und im ehemaligen Betsaal ein Seminarraum der städtischen Volkshochschule eröffnet. Der Verein Synagogengasse 6 e.V. engagiert sich weiterhin für den Erhalt und die kulturelle Nutzung des früheren Gotteshauses.
(Patrick Charell)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Synagogengasse 6, 91126 Schwabach
Literatur
- Cornelia Berger-Dittscheid: Schwabach. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 614-631.
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3. Fürth 1998, S. 697-699.
