Jüdisches Leben
in Bayern

Schopfloch Synagoge

Das Schopflocher Memorbuch gedenkt dem Ehepaar Elieser ben Meier und Kress bat Mosche, die vor 1628 einen Raum in ihrem Privathaus zur Verfügung stellten und eine erste Torarolle für ihre Gemeinde anfertigen ließen. Auch Mosche ben Abraham und seine Frau richteten eine Synagoge in ihrem Haus ein. Planungen für ein freistehendes Gotteshaus gab es bereits 1697, doch wahrscheinlich - auch hier sind die Quellen nicht eindeutig – wurde erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit dem Bau begonnen.

Die erste überlieferte Synagoge wurde zwischen 1712 und 1715 auf dem Anwesen Nr. 105 an der Judengasse erbaut (heute Bahnhofstraße 5). Noch im Nachfolgerbau des spätem 19. Jahrhunderts hatte sich ein Inschriftenstein erhalten, auf dem in hebräischen Lettern zu lesen stand: „476 nach der kleinen Zeitrechnung“. Das tradierte Datum 1715/1716 bezieht sich zumindest auf die Vollendung des Rohbaus, wenn nicht sogar auf die Einweihung des Gotteshauses. Über das Aussehen und die Ausstattung ist jedoch nichts bekannt.

Anstelle der baufällig gewordenen barocken Synagoge wurde zwischen dem 19. März und dem 31. August 1877 ein neues Gotteshaus errichtet. Als Bauplatz dienten das alte Synagogengrundstück und das benachbarte Anwesen Nr. 104, welches sich bereits seit einigen Jahren in Gemeindebesitz befand (heute Bahnhofstraße 5-7). Die Pläne des ortsansässigen Maurermeisters Friedrich Hähnlein wurden anstandslos von den Behörden genehmigt, der Bau verlief offenbar problemlos. Die Einweihungsfeier bildete noch einmal einen Höhepunkt des jüdischen Lebens, der mit einem öffentlichen Festzug von ganz Schopfloch gefeiert wurde.

Die erhaltenen Baupläne zeigen einen eleganten, rechteckigen Bau, der mit der südlichen Längsseite an die Judengasse anstieß. Für die Schopflocher Synagoge, die sich allein schon durch ihre Höhe von der übrigen Wohnbebauung abhob, wählte Hähnlein einen neuromanischen Baustil mit Rundbögen. Bei der Gestaltung der Sandsteinfassade ließ sich Hähnlein von den Synagogen des bekannten Architekten Christoph Adolf Wolff (1832-1885) inspirieren, verzichtete aber auf orientalische Zierelemente. Je drei hohe Rundbogenfenster erhellten den Betsaal. Über dem mittleren Fenster war als Akzentuierung ein Giebel mit einer Uhr aufgesetzt, bekrönt von den mosaischen Gesetzestafeln. Durch das gerundete Hauptportal im Westen betraten Männer und Frauen gemeinsam die Synagoge einen schmalen Vorraum. Von dort führte ein zweiläufiges Treppenhaus zu den Frauenemporen, die den Betsaal auf drei Seiten umgaben. Der Toraschrein stand an der Ostwand in einer Nische, vor der sich ein hölzerner Baldachin erhob. Der Almemor mit halbkreisförmiger Brüstung stand dem Schrein direkt vorgelagert. Am Innenraum der Synagoge ist die fortschrittliche Anordnung der liturgischen Einrichtung bemerkenswert, die in der formalen Einheit von Toraschrein und Bima, aber auch in den unvergitterten Frauenemporen ihren Ausdruck fand. Die Synagoge wurde 1932 umfassend renoviert und neu eröffnet. Bei dieser Gelegenheit wurde im Vorraum auch eine Gedenktafel für die im Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder Heinrich Heinemann, Alfred Kuhl, Alfred Bühler und Felix Jericho eingeweiht.        

Als letztes jüdisches Gebäude wurde die Synagoge am 29. November 1938 von der politischen Gemeinde übernommen und die Einrichtung bis Anfang 1939 versteigert. Das Grundstück und „den meisten Teil des Baumaterials“ verkaufte die Marktgemeinde am 12. April 1940 an eine Privatperson unter der Auflage, binnen zwei Jahre ein Wohnhaus zu errichten. Wegen des weiteren Kriegsverlauf kam es dazu nicht, 1944 erwarb die Gemeinde das Grundstück durch einen Tausch zurück. 1951 pachtete die Besitzerin des Nachbaranwesens das Synagogengrundstück als Gartenland. Als es später aus der Vermögenskontrolle der JRSO entlassen wurde, erwarben es die Eigentümer der beiden Nachbarhäuser. Heute ist der Platz mit Garagen, Wohn- und Geschäftsräumen überbaut.


(Patrick Charell)

Literatur

  • Barbara Eberhardt / Cornelia Berger-Dittscheid: Schopfloch. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Kartin Keßler. Lindenberg i. Allgäu 2010, S. 597-613.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3.
    Fürth 1998, S. 688-696.