Laut einem vermutlich 1749 verfassten Schreiben der Schonunger Juden fand der jüdische Gottesdienst zu dieser Zeit nur in einem kleinen Zimmer statt. Da die jüdische Gemeinde zu diesem Zeitpunkt von vier auf neun Familien gewachsen war, bat sie den Würzburger Fürstbischof, auf einem bereits der Gemeinde gehörenden Grundstück eine neue Synagoge mit einer Wohnung für den Lehrer errichten zu dürfen. Vermutlich erhielt die jüdische Gemeinde relativ rasch die Baugenehmigung: 1817 vermerkte eine vom Amt Mainberg durchgeführte Erhebung, dass die damalige Schonunger Synagoge rund 70 Jahre alt sei. 1762 wirkte dort ein Schmuel als Rabbiner. Die Lage der ersten Mikwe ließ sich bisher nicht nachweisen.
Das Mehrzweckgebäude mit Synagoge und Lehrerwohnung, das man vermutlich über einen Eingang an der Nordwestseite betrat, stand in einem Hinterhof am Rand des Dorfes. Es wies laut dem Urkataster von 1834 auf einem rechteckigen Grundriss eine Länge von rund neun Meter und eine Breite von rund acht Metern auf. 1850/1851 wurde die Synagoge umfassend renoviert. Im Jahr 1829 zeigte sich der zuständige Landgerichtsarzt zufrieden mit dem Zustand der Mikwe, die aus zwei Abteilungen, einer Umkleide und dem eigentlich Tauchbad mit einem rund zwei Meter langen und rund einem Meter breiten Becken bestand. 1844 berichtete Raphael Rosenberger, dass sich im Nebengebäude seines Hauses ebenfalls eine Mikwe befand. Unklar bleibt, ob es sich bei den beiden Mikwen um dasselbe Tauchbad handelt. Der Konflikt zwischen Rosenberger, der die Mikwe nicht renovieren lassen wollte, und der jüdischen Kultusgemeinde wurde zwei Jahre später mit einem vom Distriktsrabbiner vermittelten Vergleich gelöst: Die Mikwe durfte weiter von der Kultusgemeinde genutzt, die dafür Rosenberger einmalig 54 Gulden und halbjährlich 18 Gulden an Pacht zu entrichten hatte.
Am 26. September 1853 löste der Funkenflug eines Zuges in Schonungen einen Großbrand aus, bei dem auch die zweite Schonunger Synagoge abbrannte. Da die 16 im Ort lebenden jüdischen Familien ihre Habe bei dem Dorfbrand Großteils ebenfalls verloren hatten und deswegen nicht die Baukosten in Höhe von geschätzten 3000 Gulden aufbringen konnten, veranstaltete die Kultusgemeinde 1854 eine bayernweite Kollekte in den jüdischen Gemeinden des Königreichs Bayern. Diese erbrachte allein in Oberfranken Spenden in Höhe von rund 240 Gulden. Zusätzlich erfolgten auch in Zeitungen Spendenaufrufe. Da insgesamt rund 3000 Gulden an Hilfsgeldern eingingen, konnte die jüdische Gemeinde auch den 4500 Gulden teuren Neubau der Synagoge finanzieren.
Nachdem die jüdische Gemeinde im Sommer 1854 ein südlich der alten Synagoge gelegenes Baugrundstück erworben hatte, errichtete sie dort die neue Synagoge, die nicht mehr in einem Hinterhof verborgen war, sondern mit der repräsentativen Giebelfront zur Bachstraße zeigte. Das rund 14 Meter lange und rund 9 Meter breite Gebäude wies einen rechteckigen Grundriss auf und wurde auf einem umlaufenden Sandsteinsockel als zweigeschossiger, von einem Satteldach abgeschlossener Massivbau errichtet. Im Erdgeschoss waren der Betsaal, zwei Klassenzimmer und die Mikwe untergebracht, während die Frauenempore und die Lehrerwohnung im Obergeschoss lagen.
Bereits an der Fassade war die herausgehobene Bedeutung des zweigeschossigen Betsaals ablesbar: Lisenen hoben den rund acht Meter langen und nach Nordosten orientierten Saal hervor. Den von drei hohen Rundbogenfenstern in der Giebelfassade belichteten Raum schloss eine Flachdecke ab. Unmittelbar vor dem Toraschrein stand der Almemor. Laut einem von der JRSO erstellten, schematischen Plan verfügte der Betsaal über zwei Bankblöcke mit 48 Sitzplätzen für die Männer und die im südwestlichen Teil des Saals eingebaute Frauenempore mit 13 Plätzen. Da beim Brand der Synagoge auch die Ritualgegenstände zerstört worden waren, musste die Kultusgemeinde die Ritualien neu beschaffen. Zur Ausstattung der Schonunger Synagoge gehörten laut einer 1959 von der JRSO erstellten Aufstellung unter anderem fünf Torarollen, zwei silberne Torakronen, fünf silberne Toraschilde und 20 Toramäntel. Insgesamt schätzte die JRSO 1959 den Wert der Ritualien auf rund 46000 DM. Am 20. Juni 1856 wurde das Mehrzweckgebäude feierlich eingeweiht.
Bei dem Schonunger Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge demoliert und verbrannt. Der Schonunger Mechaniker J. O. warf die Gesetzestafeln von der Synagoge. Auch wenn hinter vorgehaltener Hand in der Schonunger Bevölkerung Kritik an der Schändung des Gotteshauses geäußert wurde, fand kein offener Widerstand statt.
Im Sommer 1945 befahl die amerikanische Militärregierung der Gemeinde Schonungen, die zerstörte Synagoge, deren Frauenempore noch intakt war, wieder instand zusetzen. Nachdem der ehemalige Betsaal zu einer Garage umgebaut worden war, erwarb 1952 ein lokaler Fuhrunternehmer das Gebäude, das noch heute als Garage und Wohnhaus dient. Das Gebäude ist im Bayerischen Denkmal-Atlas verzeichnet. 1997 beschloss die Gemeinde Schonungen die Errichtung eines Gedenksteins gegenüber der ehemaligen Synagoge.
(Stefan W, Römmelt)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Bachstraße 23, 97453 Schonungen
Literatur
- Gerhard Gronauer / Hans-Christof Haas: Schonungen, in: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1495-1517.
