Mit Genehmigung der Grafen von Schönborn nutzte die Schöllkrippener Judenschaft bis 1768 einen Betraum im Privathaus des Israeliten Sußmann zum gemeinsamen Gottesdienst. Das Gebäude befand sich im Ortsteil Waag. Am 8. Juni 1768 unterzeichnete Joseph Franz Bonaventura Graf von Schönborn (1708‒1772) die Erlaubnis zur Einrichtung einer Synagoge in Schöllkrippen. Dafür sollte die Judenschaft einen Grundzins von drei Gulden bezahlen. Zu diesem Zweck wurde von der Kultusgemeinde 1768 eine abseits gelegene Scheune erworben. Über ihren Standort ist nichts Näheres bekannt.
1826 errichtete die Kultusgemeinde nahe der Kahlbrücke auf dem Grundstück 55 (heute: Laudenbacher Str. 4-6) eine neue Synagoge. Das Areal stand laut Grundsteuerkataster aus dem Jahr 1850 schon längere Zeit im Besitz der jüdischen Gemeinde. Über das Aussehen und die Einrichtung des Gotteshauses gibt es keine Nachrichten. Nur auf dem Ortsblatt der Kataster-Uraufnahme 1846 ist an dieser Stelle ein kleiner rechteckiger Bau zu erkennen. Südlich davon grenzt ein Gebäude an die Nordkante der Synagoge. Nach der lokalen Überlieferung galt es als „alte Judenschule“. 1869 hat man die Synagoge nach Westen verlängert sowie ein rituelles Tauchbad errichtet. In dem Anbau befanden sich im Erdgeschoss eine Vorhalle und im Obergeschoss die Frauenempore.
Während der NS-Zeit führte der zunehmende Hass gegen die Juden dazu, dass in der Nacht vom 28. auf 29. Oktober 1934 zwei Täter in die Synagoge eindrangen, die Torarollen der Kultusgemeinde. zusammen mit den silbernen Torazeigern stahlen und schändeten. Sie zerrissen die wertvollen Pergamente und warfen die Schriftstücke in den Fluss und auf die angrenzenden Wiesen. Im Zusammenhang mit dieser Tat verhaftete die örtliche Gendarmerie zwei SA-Leute, konnte ihnen aber nichts nachweisen. Um weiterhin Gottesdienste feiern zu können, war die jüdische Gemeinde Schöllkrippen gezwungen, sich von der Bamberger Kultusgemeinde eine Torarolle auszuleihen. Während des Novemberpogroms 1938 zerschlugen randalierende christliche Bürger die Inneneinrichtung der Synagoge. Ein SS-Kommando aus Aschaffenburg sprengte im Anschluss daran den westlichen Teil des Gotteshauses. Die Ruine wurde 1939 abgerissen. Mit den Steinen hat man den Fahrweg am Keilrain befestigt und erhöht. Anschließend ließ die Gemeinde auf dem Grundstück ein Feuerwehrhaus errichten.
Gegenüber der einstigen Synagoge wurde 1988 ein Denkmal aufgestellt, dessen Inschrift an die Errichtung und die Zerstörung des jüdischen Gotteshauses erinnert.
(Christine Riedl-Valder)
Literatur
- Axel Töllner /Cornelia Berger-Dittscheid: Schöllkrippen. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade. Lindenberg im Allgäu 2015, S. 112-121.
