Jüdisches Leben
in Bayern

Scheinfeld Synagoge

Am 6. August 1651 erwarb die jüdische Gemeinde Scheinfeld vom Grafen Schwarzenberg das "alte sehr baufällige Häusschen" Nr. 15 (ab 1930 Bogenstraße 15), an dessen Stelle sie ihre Synagoge errichtete. Erst 1926 wurden anlässlich umfangreicher Sanierungsarbeiten Pläne des Gebäudes angefertigt: Sie zeigen einen nach Nordosten ausgerichteten, rechteckigen Massivbau mit zwei zu zwei Fensterachsen und einem zum Westen hin abgewalmten Satteldach. Im Osten stand der Toraschrein in einem halbrunden Standerker, über dem ein Misrachfenster mit Davidsterneingefügt war. Ein Tonnengewölbe überwölbte den Betsaal. Die Frauenempore im Obergeschoß war im Westen durch ein einfaches Holzgitter abgeteilt und ragte in die Männerabteilung. Der schmucklose Zweckbau wurde im Lauf der Zeit mehrfach verändert und in ein zusammenhängendes Gemeindezentrum ausgebaut. Südlich schloss sich zuletzt das Schulhaus an, durch dessen Eingangsflur getrennte Eingänge in den Männerbetsaal, die westlich angrenzende Mikwe und über ein angefügtes Treppenhaus auf die Frauenempore gelangte.

Um den Frauen der wachsenden Gemeinde mehr Raum zu schaffen, wurde 1870 die Empore zu beiden Seiten des kleinen Betsaals um Galerien erweitert, die jedoch den Raum sehr verdüsterten und knapp an der Decke lagen. Bis 1884 erhielt die Männerabteilung Sitzbänke (Subsellien). Im Jahr 1908 wurden die Außenwände der Synagoge neu gestrichen, außerdem erhielt das Gotteshaus zusammen mit der anliegenden Schule einen Anschluss für Gaslicht. 1912 musste schon wieder das Dach umgedeckt werden. In den 1920er Jahren schließlich wurde es offensichtlich, dass der Bauzustand nicht mehr tragbar war. Ein geplanter Neubau scheiterte jedoch an der Armut der Gemeinde, an der hohen Inflation und Wirtschaftskrisen. Ein von Bezirksbaumeister Pickel unterschriebener Bauplan zeigt, dass die Synagoge vor allem statisch gesichert wurde und ein frostsicheres Fundament erhielt. Weiter anfallende Tünchner, Glaser- und Zimmermannsarbeiten gingen an lokale Handwerker aus dem Ort. Theodor Harburger zeigte sich anlässlich seiner Inventarisation vom prächtigen spätbarocken Toraschrein beeindruckt.

Nach dem Novemberpogrom stand das ausgebrannte Gotteshaus leer und wurde kurz darauf angebrochen. Am 14. Juni 1945 war "der Platz, auf dem die Synagoge stand, [ein] Garten und Waschküche, während die zur Synagoge gehörende Schule mit Wohnung […] als Wohnräume genutzt werden". Nur der Zugang zur Mikwe, die man als besagte Waschküche zweckentfremdet hatte, ist am alten Standort erhalten geblieben.


(Patrick Charell)

Bilder

Literatur

  • Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Scheinfeld. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Kartin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 563-574.