Jüdisches Leben
in Bayern

Rimpar Synagoge

Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert war in Rimpar vermutlich ein Betsaal vorhanden. Wo er sich befand, ist nicht bekannt. Auf Antrag der jüdischen Gemeinde erteilte der Würzburger Fürstbischof 1792 die Genehmigung zum Bau einer neuen Synagoge auf dem versetzt zur Straße liegenden Grundstück Nummer 86 ½ (heute Storchstraße 4) am sog. "Judenplatz", um den sich damals schon viele der jüdischen Familien angesiedelt hatten. In dem rechteckigen Bau lagen die Männer- und Frauenabteilung wohl auf einem Niveau. An der Außenwand wurde über dem Haupteingang ein Chuppastein angebracht (im Zuge der Synagogen-Erweiterung 1852 in den Giebel versetzt).

Diese Synagoge wurde bei den sogenannten Hep-Hep-Unruhen im August 1819 schwer beschädigt. Das Gebäude wurde aufgebrochen, die Fenster zerschlagen, der Innenraum verwüstet, Ritualien und Torarollen vernichtet. Die Regierung schickte ein Militärkommando nach Rimpar, das weitere Ausschreitungen verhinderte.

Um mehr Platz für die vergrößerte Kultusgemeinde zu schaffen, hat man die Synagoge 1851/1852 beträchtlich erweitert. Dafür wurde im ersten Stock eine dreiseitig umlaufende Galerie für die Frauensynagoge eingebaut, die durch einen neuen, sehr markanten achteckigen Treppenturm mit Zeltdach zugänglich gemacht wurde. Auch die Männersynagoge erhielt einen neuen Eingangsbereich, dekoriert mit Stilelementen aus der ägyptischen Architektur. Dabei orientierte man sich wohl an der neuen Würzburger Hauptsynagoge von 1841. Nach Abschluss der Baumaßnahmen bot der Betsaal Platz für 50 Männerstühle und 25 Frauenplätze. 1851 legte die Kultusgemeinde eine neue Synagogenordnung fest, die der Würzburger Distriktsrabbiner Seligmann Bär Bamberg bestätigte. In den 1920er Jahren inventarisierte der Kunsthistoriker Theodor Harburger die Ausstattung und erwähnte dabei u.a. ein "Ner Tamid" (Ewiges Licht) aus dem 18. Jahrhundert, einen Messing-Chanukkaleuchter aus dem frühen 19. Jahrhundert und einen 1826 gestifteten und reich verzierten roten Toramantel. 1922 wurden neben dem Toraschrein eine steinerne Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs angebracht.

Während des Novemberpogrom 1938 brachen SA- und SS-Männer in der Nacht vom 10. November die Synagoge auf und zerschlugen die gesamte Einrichtung mit Äxten und Pickeln. Sie schändeten die Ritualien und Torarollen, zerstörten das Kriegerdenkmal und warfen Gebetbücher und Ausstattungsstücke auf die Straße. 1939 ging das Gebäude an die Bayerische Bauernsiedlung GmbH in München über und wurde durch sie an einen Bauer aus Rimpar weiterverkauft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die einstige Synagoge als Lagerhalle und später als Stall für Federvieh. 1994 wurde das Bauwerk in die Denkmalliste des Freistaats Bayern aufgenommen. Bemühungen, die Synagoge zu restaurieren und wieder öffentlich zugänglich zu machen, sind bislang gescheitert.

 

(Christine Riedl-Valder)

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Storchstraße 4, 97222 Rimpar

In zweiter Reihe zur Straße.

Literatur

  • Axel Töllner / Hans-Christof Haas: Rimpar. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade, Lindenberg im Allgäu 2015, S. 776-792.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3. Fürth 1998, S. 673.