Jüdisches Leben
in Bayern

Rieneck Synagoge

In einem Erlass der Reichsgrafen von Nostitz zu Rieneck ist 1801 erstmals von einer neu erbauten Synagoge die Rede. Spätere Quellen präzisieren deren Errichtung auf das Jahr 1799. Ihre Einweihung erfolgte ein Jahr später. Das Gebäude stand unterhalb der Burg Rieneck und hatte die Haus-Nr. 142 (heute: Flur-Nr. 284). Über den Sakralbau existieren weder Pläne noch Beschreibungen oder Fotos. Eine Inventarisation, die 1920 durch Theodor Harburger vorgenommen wurde, liefert Hinweise zur Ausstattung des Betsaales. Einige der Utensilien sollen noch aus dem 18. Jahrhundert gestammt haben und wurden wohl aus einem Vorgängerbau von vor 1799 übernommen.

Die Synagoge war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so baufällig geworden, dass die Behörden die Kultusgemeinde 1871 aufforderten, einen Neubau zu planen. Die äußerst finanzschwache und bereits sehr verschuldete jüdische Gemeinde hätte die dafür erforderlichen Ausgaben jedoch niemals schultern können. Deshalb genehmigten die Behörden die Durchführung einer Kollekte. Mit dem daraus zur Verfügung stehenden Mitteln konnte die Kultusgemeinde die nötigsten Reparaturen durchführen und 1876 abschließen. 1912 hatte sich die Mitgliederzahl der Gemeinde so weit reduziert, dass man den Minjan nur durch die Einbindung auswärtige Männer erreichen konnte. 1932 bestand bei der Synagoge wieder dringenden Sanierungsbedarf, wie einem entsprechenden Spendenaufruf, der im "Israelit", dem Zentralorgan für das orthodoxe Judentum, erschien, zu entnehmen war. Ob diese Arbeiten durchgeführt wurden, ist nicht bekannt.

Während des NS-Regimes brachen am 30. Juni 1937 unbekannte Täter die Synagoge auf. Sie demolierten den Aron ha-Kodesch und zerstörten sechs Torarollen. Von Behördenseite wurden offenkundig keine Ermittlungen über die Verursacher aufgenommen. Um den Gebetsraum wieder kultfähig ausstatten zu können, erhielt die Riemecker jüdische Gemeinde Unterstützung durch den noch bestehenden Bayerischen Verband Israelitischer Gemeinden. Während des Novemberpogroms 1938 brachen SA-Leuten am Nachmittag des 10. Novembers die Synagogentür auf, demolierten die Inneneinrichtung, vernichteten die Ausstattung mit den Ritualien, schlugen die Fenster ein und zertrümmerten sogar teilweise das Fachwerk. Das nun einsturzgefährdete Gebäude wurde 1942 abgebrochen.

 

(Christine Riedl-Valder)

Literatur

  • Hans Schlumberger / Hans-Christof Haas: Rieneck. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade. Lindenberg im Allgäu 2015, S. 294-308.

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