Gesicherte Nachrichten zu einer Synagoge in Reichmannsdorfe fehlen. 1824 wurde angegeben, die Synagoge bestünde schon seit 150 Jahren.Dies würde zumindest in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts weisen und auch den Beginn einer jüdischen Gemeinde vermuten lassen.
Das Synagogengebäude trug die Hausnummer 58 und befand sich in einer Reihe von jüdischen Wohnhäusern. Im 18. Jahrhundert war die Synagoge von den Grundherren, den Freiherrn von Schrottendorf, für die Gemeinde errichtet worden. Diese fühlten sich auch in den 1820er-Jahren noch stark mit der jüdischen Gemeinde verbunden. Als 1824 die bayerischen Behörden die Synagoge schließen wollte, da kein ausgebildetes Personal vorhanden war, erhob Franz Konrad Freiherr von Schrottenberg persönlich Protest gegen diese Maßnahme. Trotzdem blieb die Synagoge bis auf behördlich genehmigte Ausnahmen bis 1827 geschlossen und wurde erst dann wieder geöffnet.
Der behördliche Eingriff von 1824 bringt auch eine Beschreibung des Gebäudes. In dem zweistöckigen Bau befand sich im Erdgeschoß die Lehrerwohnung.Im ersten Stock befand sich der Raum für die Frau, die "Weiberschul", abgetrennt durch ein Gitter vom Betsaal für die Männer.Hier befand sich an der Ostseite der Toraschrein und in der Mitte der hier so genannte "Altar", also das Almemor. Als Mietzins erhielten die Freiherren von Schrottendorf 7 Gulden für die Lehrerwohnung und drei Gulden für das Synagogenstockwerk.
In einiger Entfernung, aber noch als Hausnummer 58 bezeichnet, gab es ein "Badhaus", also ein Gebäude mit einer Mikwe. Dieses Gebäude wurde nach 1952 abgebrochen.
Das Synagogengebäude ging 1926 an christlichen Privatbesitz über. Es ist nach tiefgreifenden Umbauten heute ein Wohnhaus.
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Judenhof 7, 96132 Schlüsselfeld
Literatur
- Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historischtopographisches Handbuch. Bamberg 1988 (= Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 295-297.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 234.
