Nachdem im 16. Jahrhundert eine kontinuierliche jüdische Gemeinde in Pretzfeld nachzuweisen ist, gab es wohl schon in dieser Zeit zumindest einen privaten Betsaal. Im Keller des Anwesens Schlossberg 5, nahe der ehemaligen Vogtei, befindet sich eine Mikwe, deren Reste heute im Bayerischen Denkmal-Atlas stehen. Die 26 Kalksteinstufen führen in ein massives Quadergewölbe und zu einem Wasserbecken, das mit klarem Grundwasser gefüllt ist. Ihre vermutete Entstehungszeit im 14. Jahrhundert weist in die Frühzeit der Ansiedelung jüdischer Familien. Da hier auch im 17. Jahrhundert die Synagoge der Gemeinde stand, dürfte es von Anfang an das Gemeindezentrum gewesen sein. Im Jahr 1620 wird ein "Schulklopfer" genannt, der das Zeichen zum Beginn des Gottesdienstes gab. Eine Pfarrbeschreibung belegt erstmals 1624 die Existenz der Synagoge, über deren Ausstattung nichts überliefert ist. Die Reichsritter von Stiebar bezogen für das jüdische Gotteshaus jährlich ein "ansehnliches standtgeltt". Die Gemeinde konnte den Grundherren 1626 das Anwesen mitsamt dem Grund abkaufen. Der Zugang zur Synagoge war zu dieser Zeit nur vom Schloss her möglich, erst mit dem Erwerb des vorgelagerten Grundstücks im Jahr 1686 konnte die Gemeinde ihre Synagoge auch von der Straße her betreten.
Im Jahr 1811 lehrte Jakob Levi Müller in der Schule. In einer Ortsbeschreibung wird er als Rabbi, Vorsänger und Schochet bezeichnet. Möglicherweise aus seiner Pretzfelder Zeit ist ein Porträt von ihm überliefert, das aufgrund des Monogramms dem Maler Reichsgraf August von Seinsheim (1789-1869) zugeschrieben wird. Die hebräische Bildunterschrift nennt ihn den Vorbeter und Treuhänder der Gemeinde Pretzfeld. Da das Pretzfelder Schloss von 1754 bis 1853 im Besitz der Seinsheimer war, ist diese Zuschreibung wahrscheinlich. Ab 1827 schloss sich an das Gotteshaus eine Schule mit Lehrerwohnung an.
Nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde 1866 wurde das Grundstück mit der Synagoge und der Schule verkauft und wechselte im Jahr 1900 erneut den Besitzer. Die ehemalige Synagoge wurde abgebrochen, das angebaute Schulhaus in eine Scheune umgebaut. Sie steht noch heute.
(Patrick Charell)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Schloßberg 5 (Ehem. Schulhaus am Synagogengrundstück), 91362 Pretzfeld
Literatur
- Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942). Ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (= Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 276.
