Die Synagoge von Oberstreu stammte aus dem 18. Jahrhundert und lag im "Judenhof", einem Ensemble für die Schutzjuden im Ort. Er beinhaltete fünf Wohnhäuser, einen eigenen Brunnen und das Gotteshaus mit Mikwe (heute Dorfgrabenweg 9). Über die Architektur der Synagoge ist nichts bekannt. Sie war wohl wie die umliegende Bebauung im lokal üblichen halbmassiven Fachwerkstil ausgeführt und unterschied sich äußerlich nur wenig von normalen Häusern. Die Gemeinde im benachbarten Mittelstreu versammelte sich bis zu ihrer Fusion mit Oberstreu 1870 in einem Betraum, der in einem der privaten jüdischen Wohnhäuser lag. Auch über seine Ausstattung ist nichts überliefert. Nach der Auflösung der Gemeinde Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Gebäude an Privatpersonen verkauft. Der Toraschrein der Gemeinde Oberstreu kam in die Synagoge nach Mellrichstadt. Das Areal des Judenhofes ist heute noch erhalten. Die Synagoge von Oberstreu wurde 1930 teilweise abgebrochen und zur Scheune umgebaut. Teile der Grundmauern aus Backstein sind noch erhalten, ebenso Überreste der Mikwe. Eine Hinweistafel an der Außenmauer erinnert an die frühere Funktion. (Patrick Charell)
Adresse / Wegbeschreibung
Dorfgrabenweg 9, 97640 Oberstreu
Literatur
- Harburger, Theodor: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach., 3 Bde., Fürth 1998, Bd. 3, S. 635
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerisches Landesamt für politische Bildung A85), S. 101-102.
