Jüdisches Leben
in Bayern

Obernbreit Synagoge

Laut eines Berichts des schwarzenbergischen Amts Marktbreit an die Kanzlei des Fürstentums aus dem Jahr 1742 hatten die schwarzenbergischen Schutzjuden zuerst eine unter brandenburgisch-ansbachischem Schutz stehende Synagoge genutzt. Nachdem dies aufgrund interner Streitigkeiten nicht mehr möglich war, richteten die Schwarzenberger Schutzjuden eine Gebetsstätte im Haus des ebenfalls schwarzenbergischen Schutzjuden Jacob ein. 

Zeitgenössische Quellen zur Errichtung der ersten Obernbreiter Synagoge sind nicht erhalten. Ein Bericht des bayerischen Distriktskommissariats Marktsteft an die Kreisregierung in Würzburg vom 29. April 1817 datiert die Existenz, also wohl die Einweihung einer Synagoge, auf den 11. April 1747. Hierfür sei jährlich eine Gebühr von zwei Gulden zu entrichten gewesen.

Die Synagoge wurde in unmittelbarer Nähe des ehemaligen jüdischen Schulhauses und der Schächterei im Süden Marktbreits errichtet. Der rund 14 Meter lange und rund 11 Meter breite, zweigeschossige Massivbau mit Halbwalmdach wurde auf einem rechteckigen Grundriss errichtet.

Während eine Tür in der Westfassade den Zugang ermöglicht, sorgten die drei hochrechteckige Fenster der Nordfassade, in der auch der Chuppastein aus dem Jahr 1748/1749 eingelassen ist, für die Erleuchtung des Betsaals. Der Synagogenbereich bestand aus einer Männerabteilung, die rund zwei Drittel des Gebäudes einnahm, und einer Frauenabteilung.

Zeitgleich mit dem Neubau der Synagoge, die vermutlich als Mehrzweckgebäude mit einer Wohnung für den Vorsänger geplant war, ließ die Gemeinde auch in den bereits zuvor vorhandenen Keller eine Grundwassermikwe einbauen, die man von einem Vorraum aus betrat. Da die Tiefe des Grundwasserspiegels zur Erbauungszeit bekannt war, konnte das Steigungsverhältnis der zur Erschließung der Mikwe notwendigen, aus 44 Sandsteinstufen bestehenden Treppe genau berechnet werden. 

1846 plante die jüdische Gemeinde eine umfassende Renovierung der Synagoge, die allerdings nicht realisiert wurde. Möglicherweise wurde die Frauenempore bereits in dieser Zeit erweitert. Für die orthodoxe Ausrichtung der Gemeinde spricht die aus den Quellen und archäologisch erschlossene Lage des Lesepults in der Mitte des Betsaals. 

Nachdem sich die Obernbreiter Kultusgemeinde 1910 Marktbreit angeschlossen hatte, wurde das Inventar der Synagoge 1911 verkauft. Der große Chanukka-Leuchter aus dem Bestand der Obernbreiter Synagoge wurde in der Marktbreiter Synagoge aufgestellt, ist aber seit dem November-Pogrom von 1938 verschollen.

1911 veräußerte die Kultusgemeinde Marktbreit auch das Obernbreiter Synagogengebäude. Der neue Besitzer nahm dort umfassende Änderungen vor: Der Abgang zur Mikwe aufgefüllt. Die Binnenwände und das hölzerne Tonnengewölbe der Männersynagoge wurden entfernt, und das Erdgeschoss der ehemaligen Synagoge diente nach der Aufschüttung des Betsaals als Werkstatt. Den abgebrochenen Toraerker ersetzte eine Tür. Anstelle der ehemaligen Frauenempore wurde ein Zwischengeschoss eingebaut, das als Lager diente. Erhalten blieben das Dachwerk, die Umfassungsmauern und der Keller.

2005 gründete sich der Verein „Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge Obernbreit e. V.“, der auch das ehemalige Synagogengebäude erwarb. Nachdem 2012 der Obernbreiter Gemeinderat beschlossen hatte, die ehemalige Synagoge in ein Kultur- und Begegnungszentrum umzubauen, wurde die renovierte Obernbreiter Synagoge im September 2013 als „Ort des Erinnerns“ eingeweiht. Dort finden regelmäßig Lesungen, Ausstellungen und Konzerte statt.

Literatur

  • Schlumberger, Hans / Haas, Hans-Christof: Marktbreit mit Gnodstadt, Marktsteft, Obernbreit und Segnitz, in: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hrsg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries, Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1158-1240