Jüdisches Leben
in Bayern

Oberlauringen Synagoge

Wo sich die wahrscheinlich schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete und 1801 als "Schule" der 40 jüdischen Haushalte erwähnte Synagoge in Oberlauringen befand, ist bisher unklar. Da das alte Gebäude laut dem Gemeindevorsteher Isaac Kleemann baufällig war und eine Renovierung sich nicht mehr lohnte, wurde 1865 vermutlich auf dem Gelände der alten Synagoge nach Plänen des Maurermeisters Johann Metz innerhalb von vier Monaten eine neue Synagoge errichtet. Finanziert wurde das auf 3500 Gulden geschätzte Projekt unter anderem aus der Gemeindekasse und durch den Verkauf von Abbruchmaterial der alten Synagoge. 

Die neue Synagoge, die von der Straße etwas zurückgesetzt war und leicht erhöht lag, wurde auf einem rund zwölf Meter langen und rund zehn Meter breiten Rechteck errichtet und grenzte westlich an die Lehrerwohnung und östlich an ein weiteres Wohnhaus an. Vier Fensterachsen sorgten für die Belichtung der Langseiten. Vom Eingang gelangte man über einen Flur in den annähernd quadratischen Gemeindesaal, der den Männern vorbehalten war. Die Frauenempore umlief drei Seiten des Gebäudes. Mögliche Vorbilder für die Konzeption des Gebäudes boten die rund 30 Jahre vorher erbaute Synagoge in Altenschönbach und die 1861 und 1862 errichtete, ähnlich proportionierte Synagoge in Wiesenfeld. Über die Innenausstattung geben nur die Pläne des Maurermeisters Metz Auskunft. In der Männersynagoge sollte ein acht Reihen umfassendes Gestühl aufgestellt werden. Während für das Vorlesepult ein Platz im Mittelgang vorgesehen war, sollte der Thoraschrein an der Ostwand platziert werden. Die Mikwe der Gemeinde war unter dem 1879 errichteten neuen Schulhaus angelegt. 

Am 10. November 1938 wurde die Oberlauringer Synagoge von nicht-jüdischen Oberlauringern demoliert, die die Fenster einschlugen und die Inneneinrichtung zertrümmerten. Rund ein Jahr nach dem Novemberpogrom 1938 verkaufte die israelitische Kultusgemeinde Oberlauringen Synagoge, Lehrerwohnung, Schulhaus und Mikwe für 1380 Reichsmark an einen Kraftfahrzeugmechaniker. Da der Kaufpreis den Verkehrswert der Immobilie deutlich unterschritt, musste der Käufer eine "Ausgleichszahlung" an das Deutsche Reich leisten. 

Nachdem in der ehemaligen Synagoge Kunstdünger gelagert worden war, erwarb die Raiffeisenbank das Gebäude und richtete im ehemaligen Betsaal die Schalterhalle ein. Schließlich verkaufte die Bank die ehemalige Synagoge in den 1970er Jahren an eine Privatperson. Seit den 1980er Jahren erinnert eine Gedenktafel an die ehemalige Oberlauringer Synagoge, ohne zu erwähnen, dass deren Substanz noch erhalten ist. Am 29. Juni 2011 wurden in Stadtlauringen, zu dem Oberlauringen gehört, zwei Stolpersteine für Simon und Regina Hirschberger verlegt. Ein Jahr später informierte im Stadtlauringer Rathaus eine Ausstellung über die Geschichte der jüdischen Familien in Oberlauringen und Stadtlauringen, die zum Teil 2019 erneut im Oberlauringer evangelischen Gemeindehaus gezeigt wurde.


(Stefan W. Römmelt)

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Friedrich-Rückert-Straße 13-19 (Mittelbau), 97488 Stadtlauringen

Literatur

  • Gerhard Gronauer / Johannes Sander: Oberlauringen. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1466-1494.
  • Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns (Hg.) / Cornelia Berger-Dittscheid (Bearb.): Mehr als Steine. Synagogen in Unterfranken. Eine Ausstellung des Staatsarchivs Würzburg in Kooperation mit dem Team des Synagogen-Gedenkbands Bayern und dem Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe. München 2021 (= Staatliche Archive Bayerns - Kleine Ausstellungen 68), S. 77f.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3. Fürth 1998, S. 634.