Jüdisches Leben
in Bayern

Oberelsbach Synagoge

Nachdem 1808 die großherzogliche Regierung die Errichtung einer Synagoge in Oberelsbach genehmigt hatte wurde diese wohl 1810 fertiggestellt. Der auf rechteckigem Grundriss errichtete Bau stand im Süden des Marktes und war über die Höfe der benachbarten jüdischen Anwesen erreichbar. Da der Großbrand 1895 auch die Synagoge zerstört hatte, erwarb die Kultusgemeinde zusätzlichen Grund, um eine größere Distanz zum Nachbargrundstück zu erreichen und die Synagoge nach Osten ausrichten zu können. Nachdem am 18. Februar 1898 die Baugenehmigung erteilt worden war, konnte der bereits am 15. Oktober desselben Jahrs abgeschlossene Neubau am 18. August 1899 feierlich eingeweiht werden.

Den Grundriss der zweigeschossigen, von einem flachen Satteldach abgeschlossenen Synagoge bildete ein rund neun Meter breites und rund 11 Meter langes Rechteck. Während der hohe Sockel der dem Dorf zugewandten Nord- und Westseite mit sorgfältig behauenen Kalksteinquadern verkleidet war, bildete Bruchsteinmauerwerk den Sockel der Süd- und Ostseite. Das aufgehende Mauerwerk der Schauseiten bestand aus Verblendziegeln, während die beiden anderen Seiten aus Backsteinen gemauert waren. Über eine Freitreppe mit fünf Stufen erreichte man das rundbogige Hauptportal an der Nordseite. Vom Flur aus erschloss sich der rund sieben Meter breite und rund zehn Meter tiefe Betsaal, der die ganze Höhe des Gebäudes einnahm und von einer in Brauntönen bemalten Flachdecke abgeschlossen wurde. Zur Disposition des Almemors und der Bänke schweigen die bisher bekannten Quellen. Im Obergeschoss, das man über eine zweiläufige Treppe erreichte, war die U-förmige Frauenempore untergebracht, die über dem Flur und entlang der Längswände verlief.

Obwohl ein nach Amerika ausgewanderter Gönner die Kultusgemeinde finanziell unterstützte, gestaltete sich noch 1911 die Rückzahlung des für den Synagogenneubau aufgenommenen Kredits schwierig, weil zu diesem Zeitpunkt nur 16 Mitglieder zur Umlage verpflichtet waren. Da der Kaufmann Salomon Schloss die liturgischen Dienste ehrenamtlich ausübte, entfielen allerdings die Kosten für die liturgischen Dienste.

Bereits am 1. Oktober 1938 wurde die Oberelsbacher Synagoge vom Leiter der Bad Neustädter NSDAP-Kreisbauernschaft beschlagnahmt, da dort ein Getreidelager eingerichtet werden sollte. Laut einem Bericht des katholischen Ortspfarrers Franz Hack wurden die beiden Vertreter der Kreisbauernschaft dabei von Oberelsbacher Nationalsozialisten unterstützt. Vorläufig gerettet werden konnten allerdings die Ritualien, die Kultusvorsteher Max Frank wohl vor seiner Auswanderung nach München an den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden (VBIG) sandte. Während des Zweiten Weltkriegs diente die ehemalige Synagoge als Kriegsgefangenenlager und Depot eines Bad Neustädter Unternehmens.  

1954 ließ eine Privatperson die ehemalige Synagoge zu einem Wohnhaus und einem Fotoatelier umbauen und dabei eine Betondecke in den ehemaligen Betsaal einziehen. Während die Außenmauern der Synagoge intakt blieben, sind heute die zwei westlichen Fensterachsen der südlichen Längsseite durch einen Anbau und Balkone verdeckt. Erhalten sind auch das dreiteilige Hauptportal, der Thoraerker mit dem Misrachfenster, die den Thoraerker links und rechts flankierenden Rundbogenfenster und die Gesetzestafeln auf der Spitze des westlichen Giebels. An der Südseite der ehemaligen Synagoge erinnert eine Gedenktafel an die vormalige Nutzung des Gebäudes.  

Adresse / Wegbeschreibung

Elsweg (o.Nr., am Ende des Wegs), 97656 Oberelsbach

Literatur

  • Gerhard Gronauer / Cornelia Berger-Dittscheid: Oberelsbach mit Weisbach. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 819-838.