Eine konservative Gruppierung aus 32 Gemeindemitgliedern bestand im Gegensatz zur reformorientierten Mehrheit auf sein Recht zur Religionsausübung nach altem Ritus. Unter Führung Meier Bernstadts beantragte sie 1865 die Errichtung einer Mikwe, was der Vorstand jedoch ablehnte, da die Waschungen in der Regel zu Hause stattfanden. Das Bad wurde trotzdem im Wildbad (heute Hintere Insel Schütt 15) errichtet, nach einem vierjährigen Rechtsstreit musste die Kultusgemeinde die Kosten übernehmen. Die Gruppe forderte nun die Überlassung des Betsaals im Gemeindehaus für separate Gottesdienste, was ihnen nach der Einweihung des neuen Gotteshauses am Schabbat und hohen Festtagen gewährt wurde. Weil es laut Gesetz in jedem Ort nur eine jüdische Gemeinde geben konnte, organisierten sich die Konservativen im Verein "Adas Israel" (Gemeinde Israels). Als rabbinische Autorität fungierte zunächst der aus Berolzheim kommende Salomon Ansbacher, ab 1909 wirkte Dr. Arnold Klein als Vereinsrabbiner. Die Versammlungen fanden eine Zeit lang in einem Saal des Anwesens Am Gräslein statt, bis auch dieser zu klein wurde und der Verein den Plan zum Bau einer eigenen Synagoge fasste.
Obwohl mit dem Vorstand der Kultusgemeinde weiterhin keine Einigung bestand, kaufte der Verein am 29. September 1900 das Grundstück Essenweinstraße 7 und beauftragte das Architekturbüro Ochsenmayer & Wissmüller mit der Ausführung. Sie plante ein repräsentatives Stadthaus, das in den Häuserblock eingebunden war und sich zumeist neoromanischer, aber auch neogotischer Stilmittel bediente. Ein Rosettenfenster mit Davidstern betonte die Mittelachsel des Bauwerks an der westlichen Straßenfront, die ein Zwerchhaus abschloss. Auf dem Giebel standen die Gesetzestafeln und die hebräische Inschrift "Gemeinde Israels". Über vier Stufen betrat man(n) einen kleinen Vorraum mit Waschbecken zu beiden Seiten und gelangte von dort aus in den Betsaal. In den äußeren Achsen der Westachse lagen die Zugänge zur Frauenempore, einer modernen Eisenkonstruktion mit ansteigenden Rängen, die auf kunstvoll geformten Säulen ruhte. Im Mezzaningeschoss war ein Vortragssaal, ein Sitzungszimmer sowie eine Wohnung für den Vereinsrabbiner eingerichtet, die Mansarde als Wohnraum für Bedienstete ausgebaut. An der Nordseite des Hauses lag ein Hof mit Zugang zum Betsaal und einem Treppenhaus in der Nordostecke.
Das Gotteshaus wurde am 5. September 1902 eröffnet. Im Jahr 1916 ließ der Verein einen dreigeschossigen Anbau in der Nordostecke des Grundstücks anbauen, den ebenfalls die Architekten Ochsenmayer und Wissmüller planten. Hier richtete der Verein in der zweiten Etage eine Bibliothek ein. Die Vereinssynagoge wurde im Novemberpogrom 1938 als verbliebene Nürnberger Synagoge das Hauptziel der Nationalsozialisten. Das Gebäude wurde gestürmt und in Brand gesetzt, die Ruinen später abgerissen. Als Teil eines schmucklosen Nachkriegswohnblocks steht auf dem Anwesen heute eine Tankstelle.
Literatur
- Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas / Cornelia Berger-Dittscheid: Nürnberg. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßlerm Lindenberg im Allgäu 2010, S. 466-505.
