Jüdisches Leben
in Bayern

Neumarkt i.d.OPf. Synagoge

Die Quellen berichten bereits Mitte des 14. Jahrhundert von einer Synagoge in Neumarkt. Näheres über den Standort dieses Gotteshauses ist nicht bekannt. Als sich in den 1860er Jahren wieder Juden in Neumarkt ansiedelten, trafen sie sich anfangs in Privathäusern zum Gottesdienst. 1868 erwarben Salomon Oettinger und Joseph Goldschmidt von dem Büchsenmacher Johann Gloßner ein großes Anwesen mit Wohnhaus, Waschküche, Hofraum und Brunnen in der Hafnergasse 10 (heute: Hallertorstr. 9a), das bis zum Sommer um- und ausgebaut wurde. Bei seiner Fertigstellung verfügte es über einen großen, zweigeschossigen Betsaal, der die gesamte Hausbreite einnahm, eine Wohnung für den Vorbeter, eine Mikwe sowie weitere Räume, in die 1872 die israelitische Elementarschule einzog.

Am 1. August 1868 folgte die Einweihung der neuen, stattlichen Synagoge. Schon bald stellten sich jedoch heraus, dass ihr Standort nicht ideal war; u.a. wirkte sich die Lärmbelästigung durch die benachbarte Schlosserei negativ auf den Schulbetrieb aus. Bestrebungen zum Neubau des Gotteshauses auf einem anderen Grundstück oder zum Umzug der Schulräume in ein anderes Haus, die die jüdische Gemeinde Neumarkt bis zum Ende des 1. Weltkriegs immer wieder in Angriff nahm, waren jedoch nicht vom Erfolg gekrönt. 1928 hat man die Synagoge dann unter der Leitung des Nürnberger Architekten Albert Meyer renoviert und ihren Innenraum völlig neu gestaltet.

Während des Novemberpogroms 1938 brachen SA-Leute die Synagoge auf, demolierten die Einrichtung und überließen das Gotteshaus der Plünderung durch die Einheimischen. Im Jahr darauf wurde das Gebäude für Wohnzwecke umgebaut. In der Bombennacht des 20. April 1945 ging auch die ehemalige Synagoge in Flammen auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel das Anwesen in den Besitz des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Es wurde renoviert und sollte als Sammelunterkunft für rassisch Verfolgte der Landkreise Neumarkt, Beilngries und Parsberg dienen. Heute befinden sich in dem Haus Wohnungen und ein Geschäft. Seit 1988 erinnert eine Gedenktafel daran, dass hier einst die Synagoge der Neumarkter Kultusgemeinde stand.


(Christine Riedl-Valder)

Bilder

Literatur

  • Angela Hager / Cornelia Berger-Dittscheid: Neumarkt/OPf. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 253-260.
  • Hans Georg Hirn: Jüdisches Leben in Neumarkt und Sulzbürg, Neumarkt i. d. OPf. 2011.
  • Harburger, Theodor: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach., 3 Bde., Fürth 1998, Bd. 3, S. 616f.