Jüdisches Leben
in Bayern

Muhr am See (Altenmuhr) Synagoge

Lange Zeit gab es in Altenmuhr keine Synagoge, ihre Gottesdienste feierte die Gemeinde in einem nicht näher beschriebenen Privathaus am „Judenhof“, das aber 1801 abgerissen wurde. Am 6. Oktober 1802 wurden die Pläne für ein zweigeschossiges, klassizistisches Gotteshauses im Judenhof 25 (später Hausnummer 34) genehmigt, das Platz für 80 Männer und 40 Frauen bieten sollte. Im Erdgeschoss befand sich die Wohnung des Chasan, die später auch als Gemeindebibliothek und zuletzt als Werkstatt des Totengräbers benutzt wurde. Neben der Küche lag eine Mikwe. Die Rundbogenfenster im Betsaal wurden von außen durch breite Faschen optisch verlängert. Die Eingänge für Männer und Frauen lagen an der Südseite. Wie bei der Ansbacher Synagoge blieben die Rundbogenfenster über dem Eingangsportal verkürzt.

In der Nordwand wurde nach dem Ersten Weltkrieg eine Gedenktafel für die gefallenen Soldaten Isaak Fleischmann und Julius Weinmann eingelassen. Schon am 3. November 1938 kaufte die Bürgergemeinde Altenmuhr das ungenutzte Synagogengebäude vom Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Das könnte erklären, warum es im Pogrom des 10. Novembers zwar demoliert, aber nicht angezündet wurde. SA-Männer zerstörten jedoch die Inneneinrichtung; einer anderen Überlieferung zufolge brachten sie HJ-Jungen in den Steinbruch oberhalb des Ortsteils Stadeln. Das Synagogengebäude wurde 1941/42 zu einem Stall für Bullenhaltung umgebaut und 1968 abgerissen.

Seit dem 21. November 1986 steht auf dem Gelände des „Judenhofes“ nahe des ehemaligen Standorts der Synagoge einen Gedenkstein für die jüdische Gemeinde, die über 300 Jahre in Altenmuhr bestand hatte.


(Patrick Charell)

Bilder

Literatur

  • Angela Hager / Hans-Christof Haas/ Cornelia Berger-Dittscheid: Altenmuhr. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 39-44.