Jüdisches Leben
in Bayern

München 9, Beth Shalom, in Sendling, 2003 Synagoge

Neben der IKG München gibt es in der Landeshauptstadt die als Verein eingetragene Liberale Jüdische Gemeinde "Beth Schalom", die der "World Union for Progressive Judaism" angehört. nach dem Wegzug führender Mitglieder wuchs das Bedürfnis, der Gruppe einen festen Rahmen zu geben. Wegen Differenzen mit der Kultusgemeinde kam es 1995 zur Vereinsgründung. Seit 2003 hat die Liberale Gemeinde eigene Räume im Münchner Süden angemietet, in denen sie auch einen Betsaal und ein Gemeindezentrum eingerichtet hat.

Im Betsaal der Liberalen Gemeinde sitzen Frauen und Männer, Kinder und Erwachsene gleichwertig nebeneinander. Eine solche gemischte Sitzordnung hatte erstmals der in Prag geborene Rabbiner Zacharias Frankel in der Gemeinde Teplitz-Schönau eingeführt, in der er von 1831 bis 1836 amtierte. Die Ausstattung der Synagoge von Beth Shalom wurde ausgeführt vom Künstler und Schreiner Sebastian Müller und mit Spenden finanziert. Der Toraschrein und die Bima werden von zwölf Holzbalken als Symbol für die zwölf Stämme Israels getragen. Am Schrein sind die Balken mit den Namen der Stämme, der Söhne Jakobs, in Hebräisch beschriftet. Die Inschrift an der Bima, die hebräischen Buchstaben SCHIN – HE – LAMED – TAW stehen für den Psalm 16,8: "Schiwiti Adoschem lenegdi tamid" (dt. Ich stellte den Ewigen immer vor mir). Das Ewige Licht (Ner Tamid) wurde vom New Yorker Künstler Solomon Chadowitz (*1933 in Zimbabwe) gestaltet und Beth Shalom geschenkt.

Der an der Nordwand angebrachte grüne Toravorhang (Parochet) stammt aus der von süddeutschen Flüchtlingen 1940 gegründeten Synagoge Beth Hillel in Washington Heights in New York. Er ist Jenny Baerwald, der Ehefrau des letzten Münchner Vorkriegsrabbiners Leo Baerwald gewidmet, der die Gemeinde Beth Hillel nach seiner Flucht in die USA leitete. Als die Gemeinde im Jahr 2000 geschlossen wurde, kam der Toravorhang auf unbekanntem Wege nach Berlin, wo ihn Rabbiner Walter Rothschild auf einem Flohmarkt kaufte und Beth Shalom zur Verfügung stellte.

Beth Shalom besitzt vier Tora-Rollen. Die erste, vermittelt durch Rabbiner Walter Jacob, ist eine Leihgabe der Gemeinde Rodef Shalom in Pittsburgh. Die zweite, kleine Reise-Torarolle wurde in der Schoa in Augsburg gerettet und nach dem Krieg von einem früheren Augsburger Juden in die USA gebracht; sein Enkel Rick Landman aus New York hat sie 2004 Beth Shalom geschenkt. Die dritte Torarolle ist ein durch Prof. Ralph Selig vermitteltes Geschenk der Gemeinde Habonim aus New York. Die vierte Torarolle wurde zu Ehren des 10. Dienstjubiläums von Rabbiner Tom Kučera von Schreiber Bernard Benarroch in London geschrieben und am 24. September 2017 feierlich eingebracht. Die Anschaffung wurde durch Spenden der Mitglieder und Freunde von Beth Shalom ermöglicht. Auch der moderne Schmuck der Torarollen, den zum Teil die Londoner Goldschmiedin Mila Tanya Griebel gefertigt hat, wurde von Gemeindemitgliedern gespendet.

Adresse / Wegbeschreibung

Zugang zu offenen Gottesdienste möglich, Informationen auf der Internetseite des Vereins.