Vor dem Bau einer freistehenden Synagoge wurden Gottesdienste in Privaträumen abgehalten, zuletzt im Haus des wohlhabenden Lazarus Simon. Der Standort lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Jedoch wurde der Betsaal zuletzt so beengt, und die Bausubstanz des Hauses wies zuletzt derart große Mängel auf, dass die Gemeinde am 26. August 1758 in einem Schreiben an ihren Schutzherrn, Fürst Johann Aloys von Oettingen-Spielberg (reg. 1737-1780) um die Erlaubnis zum Bau eines neuen Gotteshauses ersuchten. Mit dem „Gnädigen Consens zur Erbauung einer neuen Synagog“ (19. September 1758) begannen die Planungen. Durch die schleppend verlaufende Finanzierung – sie kam nur durch eine Kollekte bei den reicheren israelitischen Kultusgemeinden zustande – verzögerte sich der Baubeginn noch bis 1760. Das Gotteshaus wurde auf dem Anwesen Nr. 67 (heute Rathausstraße 1) erbaut und am 29. August 1761 mit der Übertragung der Torarollen feierlich eingeweiht.
Auch wenn der Ortspfarrer von einem „innen und außen sehr prächtigen“ Gebäude „mit 2 drauf gesezten großen Fahnen“ nach dem Vorbild der Leutershausener Synagoge berichtete, beschrieben die Ortsvorstände ein „zwar massiv und sauber gebauet, doch nicht übermäßig prächtig[es]“ Gotteshaus. Bei dem zweigeschossigen Haus handelt es sich um eine typische Landsynagoge des 18. Jahrhunderts, die mehrere Funktionen unter einem Dach vereinigte: Neben dem Betsaal in der Osthälfte beherbergte es im Westen, an der heutigen Rathausstraße, eine Wohnung für den Vorsänger bzw. Religionslehrer, einen Schulraum sowie eine Mikwe im Keller (bis 1830 in Gebrauch). Von außen unterschied sich die Synagoge nur durch die hohen Rundbogenfenster im Betsaal von den anderen größeren Wohnhäusern. Nördlich des Haupteingangs befand sich die Tür zur Frauenabteilung mit dem Treppenhaus zur Empore. Zwischen beiden war ein Chuppa-/Hochzeitsstein eingelassen, der neben den üblichen Segenswünschen die hebräische Jahreszahl 5520 (1759/60) trug. Erst 1853 wurde entsprechend der reformierten Synagogenordnung die ursprünglichen Stehpulte durch feste Sitzbänke (Subsellien) ersetzt. Nach einem großen Unwetter mit „eiergroßen Hagelkörnern“ musste man alle Fenster auf der Westseite und große Teile der Dachziegel erneuern.
Als Theodor Harburger um 1930 eine Inventur der Synagoge anlegte, fand er die ehemalige Lehrerwohnung zu einem Archivraum umgebaut vor. Reste einer Balustrade und gedrehte Holzsäulen gehörten wohl zur ursprünglichen Ausstattung.
Die Kommune erwarb am 25. November 1939 das unbenutzt stehende Synagogengebäude, wie damals üblich weit unter dem Wert. Zunächst wollte sie es abreißen, später gab es Pläne zum Umbau für ein Getreidelager. Während des Krieges mietete das Hauptstaatsarchiv München das Gebäude zur Notunterbringung von Akten.
Als 1947 der lokale Turn- und Sportverein den Einbau einer Turnhalle anregte, wurde dies aufgrund politischer Bedenken untersagt. Das Gebäude diente einige Zeit als Rathaus, dann ging es 1967 in Privatbesitz über. 1988 wurde im Dachstuhl eine Genisa geöffnet. Die Funde, die vorwiegend aus den Jahren 1750 bis 1830 stammen, lagern heute zum Großteil im Jüdischen Museum Franken in Fürth. 2007 entdeckte Gunther Reese im Haus Hauptstraße 10, welches früher einer jüdischen Familie gehört hatte, eine bemalte Holztäfelung aus der Synagoge, die bereits Theodor Harburger beschrieben hatte.
(Patrick Charell)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Rathausstraße 1, 91614 Mönchsroth
Literatur
- Gunther Reese (Hg.): Spuren jüdischen Lebens rund um den Hesselberg. Unterschwaningen 2011 (= Kleine Schriftenreihe Region Hesselberg 6).
- Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Mönchsroth. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler, Lindenberg im Allgäu 2010, S. 422-433.
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3. Fürth 1998, S. 394-396.
