Den Aufzeichnungen des evangelischen Ortspfarrers aus dem Jahr 1687 zufolge, trafen sich damals rund 30 Jüdinnen und Juden von Maßbach zum gemeinsamen Gottesdienst in einer Betstube eines gemieteten Bauernhauses, das Barthel Hunefeldt gehörte. Nachdem die Freiherren von Rosenbach 1699 das sächsische Lehen von Maßbach erworben hatten, erlaubten sie den ansässigen Schutzjuden, eine Synagoge im "doctorshaus" an der Großen Gasse einzurichten (heute Volkershausener Straße 12). Die Kultusgemeinde erwarb 1717 einen Bauplatz aus dem Rosenbach'schen Lehen. Es handelte sich um die Nordhälfte des Schmitt-Guts südlich des Marktplatzes im Ortszentrum (Hinterhof von Haus-Nr. 43, heute Poppenlauerer Straße 4).
Die Herren von Rosenbach erteilten ihren Schutzjuden die Bauerlaubnis und spendierten das Holz für die neue Synagoge. 1747 brannte dieses Gotteshaus jedoch ab. Trotz vielfältiger Proteste wurde sie mit Erlaubnis der Freiherren von Rosenbach bis 1749 vergrößert wieder aufgebaut. Es handelte sich dabei um einen rechteckigen Fachwerkbau mit Halbwalmdach und Tora-Erker an der östlichen Giebelfassade Das barocke Dach mit Holzgewölbe und einer hölzernen Winde für den Deckenleuchter hat sich bis heute erhalten. Der sechs Meter hohe Betsaal nahm das ganze Gebäude ein. Der Frauenbereich befand sich anfangs vermutlich ebenerdig an der Westseite des Betsaales. Ein wertvoller barocker Toravorhang, den 1739/1740 der Gemeindevorsteher Sußman und seine Frau Jetla stifteten, verschloss die Toranische.
Im 19. Jahrhundert wurde die barocke Synagoge mehrmals renoviert, um 1860 folgte eine umfassende Erneuerung. Dabei wurden offenbar die traditionellen Gitter der Frauenempore entfernt, da 1865 der orthodoxe Rabbiner Bamberger die Gemeinde dazu drängte, die Gitter wieder anzubringen. Dies wurde auch nach einer Anordnung des Bezirksamts 1865 durchgeführt. Um 1900 musste der Sakralbau nach einem Brand wieder hergestellt werden. Dabei entstand ein neuer zweigeschossiger Anbau, der im Erdgeschoss als Vorraum zur Synagoge diente und auch den Treppenaufgang zu den bereits im 19. Jahrhundert errichteten, nun erneut renovierten Frauenemporen aufnahm. Bis 1938 wurden in dieser Synagoge Gottesdienste gefeiert. Im Januar 1938 predigte hier letztmals der Bezirksrabbiner Dr. Menachem Ephraim.
Auf Befehl der SA-Standarte Bad Kissingen versammelte sich am frühen Morgen des 10. November 1938 die örtliche SA (40 bis 60 Männer) und wurde in Gruppen aufgeteilt. Ein Trupp von ihnen zog zur Synagoge, zertrümmerte das Eingangsportal und demolierte anschließend die gesamte Inneneinrichtung mit den Ritualien und Emporen. Auch die wertvollen, teils noch aus der Barockzeit stammenden Toravorhänge, Silbergeräte, Toramäntel und Torarollen wurden zerrissen und vernichtet. Nach dem Pogrom verlangte der Bürgermeister von der Kultusgemeinde die Bezahlung der Reparatur der Synagogenfenster (sic!). Außerdem bot er ihnen den Kauf der Synagoge für 50 RM an, da man das Gebäude für die SA und die Hitlerjugend nutzen wollte. Schließlich erwarb aber Sattlermeister Karl Geiling, in dessen Hof die Synagoge stand, das Anwesen 1943 von der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland. In den einstigen Betsaal wurde eine Decke eingezogen, einige Fester zugemauert, der Toraerker entfernt und die nördliche Außenwand erneuert. So entstanden im Erdgeschoss die Werkstatt und eine Wohnung für den neuen Besitzer; das Obergeschoss diente als Lagerraum.
Die als Wohn- und Geschäftshaus umgebaute, einstige Synagoge blieb in der Nachkriegszeit erhalten. 2008 entdeckte die Hausbesitzerin auf dem Dachboden eine Genisa. Sie wurde den Mitarbeiterinnen des Genisa-Projekts Veitshöchheim zur Auswertung übergeben. Von Klaus Bub, dem Leiter des örtlichen Heimatmuseums, wurde im Obergeschoss der ehemaligen Synagoge die Ausstellung "Maßbach unterm Davidstern" installiert und zusammen mit der Fotoausstellung "Jerusalem lag in Franken" 2009 eröffnet. Seitdem hat man diese Sammlung ständig erweitert. 2011 wurde die ehemalige Synagoge in das Städtebauliche Entwicklungskonzept aufgenommen. Das Gebäude war bis 2012 im Besitz der Familie Geiling. Dann erwarb es die Kommune. Nach einer denkmalgerechten Sanierung und Rekonstruktion der ehemaligen Synagoge ist sie ein dauerhafter Gedenkort mit einem Museum über das jüdische Leben in Maßbach.
(Christine Riedl-Valder)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Poppenlauerer Str. 4, 97711 Maßbach
Literatur
- Cornelia Berger-Dittscheid: Maßbach mit Thundorf. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 213-238.
