Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts versammelten sich die Kunreuther Juden in einer privaten Betstube. Die erste, nicht näher beschriebene Synagoge ist ab 1660 belegt, sie stand mitten im Dorf an der Brücke über den Toppbach (heute Kirchberg 3).
1764 wurde das jüdische Gotteshaus "beym Steg" durch einen Nachfolgebau an gleicher Stelle ersetzt. Über sein Aussehen ist allerdings nichts bekannt. In den zeitgenössischen Landesbeschreibungen Bayerns aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird bei Kunreuth zwar die Existenz einer Synagoge angegeben, aber ohne weitere Hinweise. Wahrscheinlich ist ein relativ schlichter Bau in der ortsüblichen Fachwerkarchitektur, der nach Art fränkischer Landgemeinden unter seinem Dach das Gotteshaus, den Schulraum, wohl die Lehrerwohnung und im Keller eine Mikwe mit frischem Wasser aus dem Trappbach vereinte.
Als sich in der 1870er Jahren durch die starke Abnahme der Zahl der Gemeindemitglieder die Auflösung der Gemeinde abzeichnete, ist eine Anzeige von 1879 in der Zeitschrift "Der Israelit" ein Schlaglicht auf den damaligen Zustand. Der Vorstand der Kultusgemeinde Kunreuth, Karl Heumann, gab darin die Absicht auf die bevorstehende Auflösung der Kultusgemeinde bekannt. In diesem Zusammenhang war auch der Verkauf des Synagogengebäudes vorgesehen. Eine Reihe von Ritualien der Synagoge wurden deshalb zum Verkauf angeboten. Darunter waren sieben gut erhaltene Torarollen, ein Toraschild und ein Torazeiger aus massivem Silber und zwei Rimmonim.
Seit 2007 steht am ehemaligen Synagogenstandort die 2. Station vom historischen Kulturweg Spurensuche Kunreuth, der von Prof. Andreas Otto Weber und Dr. Hermann Ulm in einer gemeinsamen Forschungsarbeit für den Verein "Kunreuth - hier lässt sich's leben e.V." erstellt wurde. Eine illustrierte Hinweistafel erinnert an die Geschichte der jüdischen Gemeinde. Der Kulturweg ist seit 2021 auch als Podcast verfügbar..
Bilder
Literatur
- Andreas Otto Weber (Hg.): Reichsritterschaftliche Dorfentwicklung in der Frühen Neuzeit am Beispiel von Kunreuth. In: Jahrbuch für Fränkische Landesforschung 63 (2009), S. 301-323.
