Die erste Synagoge Kulmbachs lag vermutlich im sogenannten Burggut in der Judengasse, die 1408 erstmals erwähnt wird (heute Evangelisches Gemeindezentrum, Waaggasse 5-9): Das Anwesen ging 1444 als Lehen an den markgräflichen Schreiber Heinrich Pragermeister mit dem Hinweis, dass früher hier die Judenschule gestanden hätte. Da vor ihm jedoch schon der markgräfliche Kastner Johannes Imhof im Jahr 1408 mit dieser Hofstatt belehnt worden war, darf man annehmen, dass die Synagoge spätestens seit Anfang des 15. Jahrhunderts nicht mehr als Gotteshaus fungierte. Die wenigen Juden, die in den folgenden Jahrhunderten in Kulmbach lebten, wurden von dem Rabbiner in Burgkunstadt betreut, besuchten dort die Synagoge und nutzten den Friedhof.
Erst Ende des 19. Jahrhunderts war die jüdische Einwohnerzahl in Kulmbach soweit angewachsen, dass man 1899 den Status einer Kultusgemeinde mit begrenzter Autonomie anstrebte. 1903 erfolgte die Gründungsversammlung der Gemeinde und die Wahl eines Vorbeters. Da die Synagoge in Burgkunstadt dreieinhalb Stunden entfernt lag, beantragten sechs jüdische Kulmbacher vom Stadtmagistrat die Genehmigung für einen eigenen Betsaal, der laut Sitzungsprotokoll vom 22. Mai 1903 genehmigt wurde. In den nächsten zehn Jahren diente ein kleiner, zur Basteigasse hin gelegener Raum des Hotels „Zur Krone“ (Langgasse 15; 1967 abgerissen) für die Sabbatfeiern. Danach traf sich die Gemeinde zu den Gottesdiensten im Hotel „Zum Goldenen Hirschen“ (Langgasse 12), ab 1914 im Rückgebäude des Café Beyerlein (ebenfalls Langgasse 12) und seit 1934 in der Privatwohnung des Kaufmanns Franz Weiß (Spitalgasse 2). Weiterhin wurde die Mikwe in Burgkunstadt gentutzt.
Kurz vor der Reichspogromnacht transportierte der jüdische Viehhändler Karl Strauß am 8. November 1938 die Torarollen und andere Kultgegenstände aus dem Kulmbacher Betsaal in die Bamberger Synagoge, um sie in Sicherheit zu bringen. Bei der Aktion wurde er von Nazis beobachtet, später verhaftet, wegen fadenscheiniger Vergehen verurteilt, deportiert und umgebracht. Die Kultgegenstände aus Kulmbach sind vermutlich verbrannt, als die Bamberger Synagoge am 10. November 1938 in Flammen aufging.
An die verschiedenen jüdischen Beträume in Kulmbach erinnert heute nichts mehr.
(Christine Riedl-Valder)
Literatur
- Hager, Angela: Kulmbach, in: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg i. Allgäu 2007, S. 186-192
