Kleinerdlingen, heute ein Stadtteil von Nördlingen, besaß bereits im Spätmittelalter bis zur Vertreibung 1520 eine jüdische Gemeinde. Nach der Wiederansiedelung im 17. Jahrhundert stieg die Zahl der jüdischen Einwohner in der Folgezeit mit bis zu 40 Familien stark an. Das Vorhandensein eines Betsaals ist deshalb sicher anzunehmen. Der Bau einer Synagoge wird für 1786 überliefert (heute Erninger Straße 24). Über die Ausstattung ist nur bekannt, dass sie über Stehpulte verfügte, die von den Gemeindemitgliedern ersteigert wurden.
Die um die Jahrhundertwende stark nachlassenden Gemeindezahlen führten spätestens in den 1920er Jahren dazu, dass die Synagoge nicht oder kaum mehr genutzt wurde. Ein Schulunterricht, der ja auch im Synagogengebäude stattfand, wird zum letzten Mal um 1901 gemeldet. Wie ein Foto des Kunsthistorikers Theodor Harburger bei seiner Erfassung des Inventars zeigt, war noch 1926 die Innenausstattung der Synagoge unversehrt erhalten. Erst mit der Anbindung der Gemeinde Kleinerdlingen mit der IKG Nördlingen fiel Anfang der 1930er Jahre der Entschluss, das nun überflüssige Gebäude zu verkaufen. Der neue Besitzer nutzte das Gebäude als Scheune und Lagerhalle. Israel Schwierz (*1943) schrieb 1992, dass das Gebäude äußerlich fast vollständig erhalten sei und die Auswölbung des Toraschreins an der Ostfassade noch gut erkennbar. Auch Fenster und Giebel waren wohl noch im Original erhalten. Dennoch ließ der private Eigentümer das Gebäude Mitte der 1990er niederreißen, heute steht dort ein Neubau.
Literatur
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 327-329.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 66.
