Jüdisches Leben
in Bayern

Kempten Synagoge

Den überlieferten Quellen zufolge befand sich im Haus des jüdischen Hoffaktors Mayr Seligmann, der mit seiner Familie ab 1692 in einem Stiftsgebäude in der Herbststraße (später: Judengasse) wohnte, eine Betstube. Die jüdische Gemeinde, die sich ab 1861 in Kempten ansiedelte, hatte keine eigene Synagoge, weil sie der IKG Memmingen angehörte. Ab 1875 versammelten sie sich bei Bedarf in einem Nebenraum des ehemaligen hochstiftischen Landfständehauses (Residenzplatz 33).

Über die Ausstattung des Landschaftssals ist nur bekannt, dass sich Vorhänge, Decken, Kronen, wohl auch ein Leuchter, sowie zwei Torarollen und ein einfaches Schränkchen als Bundeslade im Besitz der Kemptener Gemeinde befanden. Die Torarollen und Ritualien wurden größtenteils im Novemberpogrom 1938 von den Nationalsozialisten vernichtet. Einen Koffer mit Toraschmuck aus dem Besitz der jüdischen Gemeinde Kempten verwahrt das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben. Das Kemptener Landständehaus ist erhalten und wurde in den Bayerischen Denkmal-Atlas aufgenommen.

 

(Christine Riedl-Valder)

Adresse / Wegbeschreibung

Residenzplatz 33, 87435 Kempten (Allgäu)

Literatur

  • Benigna Schönhagen (Hg.): "Ma tovu ... Wie schön sind deine Zelte, Jakob ..." Synagogen in Schwaben mit Beiträgen von Henry G. Brandt, Rolf Kießling, Ulrich Knufinke und Otto Lohr. München 2014, S. 129.
  • Angela Hager: Kempten. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg i. Allgäu 2007, S. 488-493.