Jüdisches Leben
in Bayern

Jochsberg Synagoge

Aufgrund der jüdischen Familien, die im 18. Jahrhundert bereits in Jochsberg lebten, ist es wahrscheinlich, dass es zumindest einen Betsaal gab. Die Angabe, dass 1804 der Bau der Synagoge erfolgt sei, ist allerdings nicht belegt. Die in Jochsberg bestehende Synagoge (Am Ring 15) war zu Beginn der 1840er-Jahre renovierungsbedürftig. Zusammen mit der Nachbargemeinde Leutershausen konnte Jochsberg eine behördliche Erlaubnis einer Kollekte unter den jüdischen Gemeinden in Bayern erwirken. Damit sollte Geld zur Finanzierung der Renovierung der beiden Synagogen gesammelt werden. Wahrscheinlich waren der Grund die Auflagen der neuen mittelfränkischen Synagogenordnung.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Gemeinde Jochsberg eine Filialgemeinde von Leutershausen geworden war. Aufgrund der geringen Zahl der Gemeindemitglieder dürfte auch in der Synagoge kaum noch ein Gottesdienst gehalten worden sein. 1920 setzte der Verkauf der Einrichtung einen Schlusspunkt. Die Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juli 1920 listet die folgenden Gegenstände auf: "Infolge Auflösung der Gemeinde Jochsberg wird die Einrichtung der dortigen Synagoge im Ganzen oder einzeln dem sofortigen Verkaufe unterstellt. Sie besteht aus 5 Seforim [Torarollen], 2 Perochaus (eines davon ist Altertum) [Vorhänge vor dem Toraschrein], 4 Messingleuchter, 1 Taß [Schild als Schmuck der Torarolle], 1 Almemor [Vorlesepult], 1 Orann Hakaudesch [Toraschrein], Stände [Stehpult] und Bänke." Das Gebäude mit dem angrenzenden Schulhaus wurde verkauft, später umgebaut und als Wohnhaus und für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Israel Schwierz (*1943) berichtet, dass die Balustrade der Synagoge als Einfassung für den Misthaufen verwendet worden sei. Der noch erhaltene Chuppa-Stein (Hochzeitsstein) befindet sich im Jüdischen Museum Franken.

Bilder

Literatur

  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, 2. Aufl. München 1992, S. 172f.