In einer Vormundschaftsrechnung aus dem Jahr 1619 wird zum ersten Mal eine „Synagog oder Judenschuhl“ erwähnt, für die jährlich eine Steuer von zwei Gulden 30 Kreuzer zu entrichten war. Wahrscheinlich stand sie dort, wo später das Schulhaus errichtet wurde (Burkhardgasse 3). Über Aussehen und Ausstattung ist nichts überliefert. Anfang der 1840er jedoch war sie „sehr beengt und […] von allen Seiten baufällig“. Zudem erwies sich die Forderung der neuen Mittelfränkischen Synagogenordnung von 1838, dass die Stände durch Sitzbänke (Subsellien) zu ersetzen seien, als nahezu undurchführbar. Daher beschloss die Gemeinde am 19. Oktober 1840 einen Neubau ihres Gotteshauses an der Hauptstraße (heute Haunacher Straße 47).
Die „Zeichnungen über die Israelidische [sic] Sinagoge in Hüttenbach“ stammen von Maurermeister Johann Pfister und Zimmerermeister Christoph Wiesekel. Die Finanzierung erwies sich jedoch als sehr schwierig, daher wurde erst am 19. April 1844 der Grundstein gelegt. Bereits am 4. Oktober konnten die Hüttenbacher Juden die Einweihung ihrer neuen Synagoge weihen. Jeweils zwei übereinander angeordnete Fenster prägten das Erscheinungsbild des Gotteshauses, wobei die unteren Fenster gerade und die oberen mit einem Rundbogen abschlossen. Vor der Westseite des annähernd quadratischen Baus (10,57 x 9,52 m) stand ein kleiner, leicht nach Süden verschobener Vorbau. An der Südseite lagen zwei separate Eingänge: Links der für die Frauen, die über eine Treppe direkt auf die Empore gelangten, und für die Männer, die an einem kleinen Waschbecken vorbei den Betsaal betraten. An der Westwand erinnerten die hebräischen Anfangsworte von Psalm 5,8 („Ich aber darf dank der Fülle Deiner Gnade in Dein Haus gehen“) an das Einweihungsdatum am siebten Tag des Laubhüttenfests 1844. Zur Ausstattung gehörten auch sechs große ornamentale Messingleuchter und ein „großer Chanukkahleuchter […] in Empiregeschmack“. Annähernd in der Mitte stand die Bima, vier Stufen führten zu einem neubarocken Toraschrein. Neugotische Ergänzungen wurden wohl anlässlich einer Renovierung im Jahr 1886 ergänzt.
Bereits am 3. November 1938 beschlagnahmen die NS-Machthaber das israelitische Schulhaus und die Synagoge. Am 10. November ging das Gotteshaus in Flammen auf. Nach kurzer Zeit ließ die Kommunalverwaltung die Ruinen abbrechen und plante den Bau eines Kinderheims, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs band alle weiteren Ressourcen. Heute erinnert eine Gedenktafel an die Gemeinde und ihre Synagoge.
(Patrick Charell)
Bilder
Literatur
- Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Hüttenbach. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 383-403.
