Jüdisches Leben
in Bayern

Homburg am Main Synagoge

Die kleine jüdische Gemeinde, die nachweislich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts in Homburg und Erlenbach lebte, beging ihre gemeinsamen Gottesdienste anfangs in den Betstuben von Privathäusern. 1730 wird vermeldet, dass sich dieser Raum "über 40 oder mehr Jahr" im Hause des Moyses befunden hat. Das Gebäude sei nun aber verfallen. Deshalb müsse man in das Haus eines anderen Juden ausweichen. Der genaue Standort dieser Häuser ist jedoch nicht überliefert. 

1783 genehmigte die fürstbischöfliche Regierung in Homburg eine Synagoge in der Unterstadt nahe dem Bettinger Tor (Wertheimer Straße, heute: Maintalstraße 26). Dabei bleibt unklar, ob dieses jüdische Gotteshaus damals bereits bestand und zu diesem Zeitpunkt nur genehmigt wurde oder aber neu errichtet worden war. In dem direkt daran anschließenden Nachbarhaus hat man 1859/60 ein jüdisches Gemeindezentrum mit Elementarschule, Lehrerwohnung und einer Keller-Mikwe im Garten eingerichtet.

Nachdem in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen Einwohner, v.a. durch die seit 1859 geplante Zusammenlegung mit der Kultusgemeinde Erlenbach, sehr zugenommen hatte und das alte jüdische Gotteshaus baufällig geworden war, beschloss die Gemeinde 1869 dessen Neubau in größeren Dimensionen, wofür man einen Teil des Nachbargartens zukaufte (Wertheimer Straße, heute: Maintalstraße 26). 1872 konnte mit dem Bau begonnen werden. Die feierliche Einweihung erfolgte 1873. Bei der neuen Synagoge handelte es sich um einen massiver Sandsteinbau auf rechteckigem Grundriss. Dessen Sockel hat sich in dem späteren Wohn- und Geschäftshaus erhalten. Auf dem zur Straße weisenden Südostgiebel waren die Gesetzestafeln angebracht. Da keine Pläne oder historische Fotografien überliefert sind, können über sein Aussehen keine weiteren Angaben erfolgen.

Über 60 Jahre lang blieb die Synagoge das gottesdienstliche Zentrum der in Homburg und Erlenbach lebenden jüdischen Familien. An besonderen Ereignissen ist nur wenig bekannt. Für eine 1914 anstehende dringende Renovierung des Hauses musste die zunehmend finanzschwache Kultusgemeinde Staatsleistungen beantragen.

Am Abend des 10. November 1938 wurde die Synagoge von SA-Leuten und Zivilisten aus dem Ort aufgebrochen und im Innern völlig zerstört. Wenige Wochen später, am zweiten Weihnachtsfeiertag 1938, ging sie durch Brandstiftung in Flammen auf. Kurz zuvor hatte man noch vergeblich versucht, die Synagoge zu verkaufen. Die Kreisleitung stimmte dem jedoch nicht zu und überließ das Haus der Gemeinde kostenlos. 1939 hat man das völlig zerstörte Gotteshaus teilweise abgebrochen; die Umfassungsmauern im Bereich des Erdgeschosses blieben erhalten. 1940 übernahm die Darlehenskasse Homburg die Synagogenruine und das Grundstück.

Über dem erhaltenen Sockel wurde ein einfaches Gebäude erstellt, das bis 1978 als landwirtschaftliches Lagerhaus diente. Danach wurde hier ein Möbelgeschäft eingerichtet. Bis zur Gegenwart wird das Anwesen als Wohn- und Geschäftshaus verwendet. Eine Gedenktafel am Gebäude erinnert heute an das ehemalige jüdische Gotteshaus. Sie trägt die Inschrift: "An dieser Stelle stand die 1873 erbaute Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde Homburg. Am 25. Dezember 1938 zerstörten die Nationalsozialisten diese Kultstätte durch Brandstiftung. Zur Erinnerung und Mahnung. Markt Triefenstein".

 

(Christine Riedl-Valder)

Literatur

  • Hans Schlumberger / Cornelia Berger-Dittscheid: Homburg mit Erlenbach. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade. Lindenberg im Allgäu 2015, S. 192-206.

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