Der Hofer Chronist Enoch Widmann erwähnt 1592, dass im früherer Zeit ein "Haus mit Holzerker" in der Judengasse (heute ein Teil der Auguststraße) als Synagoge und Schule diente. Nach dem Pogrom im Jahr 1515 gab es fast vier Jahrhunderte lang kein jüdisches Leben in der Stadt. Erst ab September 1887 lud ein „Comité für Abhaltung israelitischer Gottesdienste“ wieder über Zeitungsanzeigen zu religiösen Festen im Salon des Hotels "Prinz Regent" (Sonnenplatz 2) ein. 1888 betete man im kleinen Saal der Gaststätte „Löwengrube“( Lessingstraße 10), 1889 im Hotel „Zum Hirschen“ (Bahnhofsstraße 1 ½), 1890/91 im Hotel „Zum Goldenen Hirsch“ (Altstadt 2). Später zog man in private Räume um, zunächst in das Haus von August Gräfe (Altstadt 7), seit Frühling 1897 in das Hinterhaus von Regine Schiebler (Marienstraße 20).
1892 folgte die Gründung eines Synagogenvereins. Er hatte die Aufgaben, die gemeinsamen Gottesdienste zu bewerkstelligen, den Religionsunterricht zu organisieren und das Schächtverbot im Hofer Schlachthof abzuschaffen. Letzteres blieb bestehen, da die Bedenken, u.a. der Vorwurf der Tierquälerei, nicht ausgeräumt werden konnten. Der Religionsunterricht fand ab 1894 statt und wurde in den Folgejahren den wandelnden Bedürfnissen entsprechend ausgebaut. Zur Jahrhundertwende verlegte man die Gottesdienste ins Hinterhaus des Händlers Wegner (Ludwigstraße 24). Dort wurde ein schlichter Betsaal eingerichtet, der gute Dienste leistete, aber trotz einer Erweiterung sehr knapp bemessen war. Deshalb erwarb die Kultusgemeinde 1925 ein ehemaliges Nebengebäude des Bahnhofs (Hallstraße 9). Es verfügte über Remisen, einen Hofraum und Vorgarten und bot Platz für den Versammlungssaal und drei Wohnungen. Im Frühjahr 1927 begann der Umbau; am 18. September erfolgte die Einweihung der Synagoge in Anwesenheit von zahlreichen Ehrengästen aus Kirche und Politik. Ihr Gottesdienstraum verfügte über hundert Sitzplätze und hatte zwei Besonderheiten: zum einen gab es keine bauliche Trennung zwischen dem Männer- und Frauenbereich, zum anderen war die Decke aufwendig mit stilisierten Planeten, Sternen und Tierkreiszeichen bemalt. Erste antisemitische Ausschreitungen führten schon ein Jahr später zu einer Beschädigung der Synagogenfenster.
Am 10. November 1938 drangen SS- und SA-Leute der NSDAP in die Synagoge ein, zertrümmerten unter den Augen von Hunderten Schaulustiger die Einrichtung und fuhren die Reste zusammen mit den jüdischen Sakralgegenständen auf den Sportplatz, um sie dort zu verbrennen. Die politische Gemeinde Hof vereinnahmte anschließend das Grundstück für sich. Am 15. Dezember wurde das Gebäude abgerissen.
Nach dem zweiten Weltkrieg bildete sich aus den vielen jüdischen DPs, die in Hof gestandet waren, eine neue IKG mit eigenem Rabbiner. Eine Betstube gab es auf dem Gelände der heutigen Oberfranken-Kaserne, die auch von den DPs in der Stadt benutzt wurde. Die neue IKG Hof konnte ab 1955 in einem städtischen Gebäude (Karolingenstraße 13) feiern. 1973 ging das Anwesen Kulmbacher Straße 1 in ihren Besitz über und wurde als neue Synagoge genutzt. Aufgrund des starken Mitgliederzuwachses in den Jahren um die Jahrtausendwende benötigte die IKG ein größeres Gemeindezentrum. Seit 1997 stand ihnen das ehemalige Schulhaus im Ortsteil Moschendorf zur Verfügung, wo 1998 eine neue Synagoge eingeweiht wurde. Im Schrein ihres Betsaales wird eine Torarolle aufbewahrt, die ein neunjähriges Mädchen, eine Christin, 1938 unbemerkt aus dem Feuer retten konnte. Sie dient als Zeichen, dass jüdisches Leben in Hof trotz der Verbrechen in der NS-Zeit aus alten Wurzeln neu erblüht ist.
(Christine Riedl-Valder)
Literatur
- Angela Hager / Hans-Christof Haas: Hof. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 169-177.
- Jim G. Tobias: Vorübergehende Heimat im Land der Täter. Jüdische DP-Camps in Franken 1945-1949. Nürnberg 2002, S. 97-104.
