Seit dem letzten Drittel des 17. Jh. gab es in Hörstein in einem der jüdischen Häuser einen Betraum, in dem sich die Israeliten zum Gottesdienst versammelten und der Religionsunterricht erteilt wurde. Seine Lage und sein Aussehen sind nicht überliefert. 1717 wandte sich die Hörsteiner Judenschaft an die kurfürstliche Regierung mit der Bitte, keine zusätzlichen Steuern für ihre Betstube leisten zu müssen, für die sie vor über 40 Jahren die erzbischöfliche Genehmigung erhalten hätten. Im Jahr 1741 verzeichnet ein örtliches Flurbuch dann ein „gemeindschaftliches Judenbethaus“ im Ortszentrum (Plan-Nr. 39, heute Hauptstraße 29).
Dieses Gebäude war 1824 für die nunmehr 114 Gemeindemitglieder viel zu klein geworden und so ruinös, dass man es nicht mehr reparieren konnte. Nach dessen Abriss hat man an gleicher Stelle eine neue Synagoge und dahinter, westlich angrenzend, ein Gemeindezentrum errichtet. Zeitgenössische Pläne der beiden Häuser sind nicht überliefert. Über eine dort ebenfalls geplante Mikwe gibt es keine weiteren Nachrichten. 1865 erfolgte eine Innenrenovierung, sowie die Neuausstattung der Synagoge mit Bänken. 1909 hat man weitere Veränderungen am Außenbau und im Innenraum vorgenommen, u.a. eine neue Frauenempore an der Westseite eingebaut. Die Wiedereinweihung des jüdischen Gotteshauses wurde in Anwesenheit vieler jüdischer und christlicher Honoratioren mit einem großen Festzug, einer Ansprache des Aschaffenburger Bezirksrabbiners und einem anschließenden Festbankett in der Gartenwirtschaft "Zum Ritter" gefeiert.
Seit 1936 wurden die Fenster der Hörsteiner Synagoge immer wieder beschädigt und eingeworfen, so dass der Kultusgemeinde, die vom NS-Staat verpflichtet wurde, die Reparaturen schnellstmöglich jeweils vorzunehmen, große Kosten entstanden. Im Frühsommer 1938 kam es zum Diebstahl einer großen Menge des Thora-Silbers, der oder die Täter blieben unbekannt. Vor dem jüdischen Neujahrsfest wurden am 26. September 1938 Steine in die Synagoge geworfen. Schon vor dem Novemberpogrom zertrümmerten Schulkinder Anfang Oktober alle Scheiben des jüdischen Gotteshauses. In der Nacht vom 9. auf 10. November erhielt die SA den Befehl, die Synagoge anzuzünden. Wegen der Brandgefahr für die umstehenden Gebäude wurde dies jedoch unterlassen. Wenige Tage später hat man die gesamte Einrichtung abmontiert, Kultusgeräte eingepackt und alles nach Aschaffenburg gebracht. Die völlig leer stehende Synagoge wurde in der Folgezeit von verschiedenen Firmen als Lagerraum verwendet. Zeitweise hat man darin auch belgische Kriegsgefangenen untergebracht, die für die Kommune im Feldwegebau arbeiteten.
1951 wurde die leerstehende Synagoge zusammen mit dem jüdischen Schulhaus von der Gemeinde erworben. Anschließend nutzte der Fußballverein das ehemalige Gotteshaus als Trainingsraum. 1960 hat man das Gebäude umfassend umgebaut, um es als Feuerwehrhaus nutzen zu können. 22 Jahre später erfolgte der Abriss und Verkauf des Geländes an die Anlieger. Der Stein mit den Gebotstafeln am Ostgiebel der Synagoge, der vom Umbau verschont geblieben war, befindet sich heute im Museum der Stadt Alzenau.
(Christine Riedl-Valder)
Literatur
- Axel Töllner / Cornelia Berger-Dittscheid: Schöllkrippen. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade. Lindenberg im Allgäu 2015, S. 92-111.
