Die erste Nachricht über einen israelitischen Betraum in Hirschaid liefert eine Gerichtsverhandlung über die Streitigkeiten zwischen Juden und Christen im Jahr 1579. Über ihren Standort und ihr Aussehen wurde dabei jedoch nichts berichtet. Man nimmt an, dass sich dieser Andachtsraum innerhalb des „Judenhofes“ im Bereich der heutigen Nürnberger Straße 16 und 18 befand. Spätestens ab 1735 gab es eine Synagoge auf dem Grundstück des Juden Löb Jakob (heute Nürnberger Straße 16, Rückgebäude). Es handelte sich um ein Holzhaus mit einem Ritualbad im Untergeschoss. Als das Gotteshaus baufällig geworden war, beschloss die Hirschaider Judenschaft einen Neubau und richtete dafür 1828 einen Baufonds ein.
Das Vorhaben konnte jedoch, u.a. aufgrund der schlechten Finanzlage, erst über 20 Jahre später in die Tat umgesetzt werden. Nachdem die alte Synagoge auf Anordnung des Landgerichts 1847 abgerissen worden war, kam nach mehreren Planänderungen ein Entwurf des Bamberger Maurermeisters Mößmeringer im neuromanischen Stil zur Ausführung. 1851 war der Neubau auf dem zum Haus Nr. 55 gehörenden Grundstück aus dem Eigentum des Löb Müller (Nürnberger Str. 11) schließlich vollendet und diente der jüdischen Gemeinde von nun an als neues Gotteshaus. Ein antisemitischer Vorfall ereignete sich 1870, als einige Fensterscheiben der Synagoge zu Bruch gingen. Die Täter konnten damals nicht ermittelt werden. Über 80 Jahre lang bildete die Synagoge das Zentrum des jüdischen Gemeindelebens in Hirschaid. Im Novemberpogrom (9./10.11.1938) jedoch wurde auch dieses Gotteshaus zerstört. Mitglieder der NSDAP aus Hirschaid und Bamberg brachen das Portal auf, stahlen die Wertgegenstände und legten anschließend Feuer, so dass das Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrannte. Das Grundstück wurde von der politischen Gemeinde beschlagnahmt und ging am 3. Dezember 1938 in deren Besitz über. Die Steine der Ruine fanden später beim Brückenbau an der Straße nach Amlingstadt Verwendung.
Seit 1979 erinnert eine Gedenkstätte am Platz der ehemaligen Synagoge an die ermordeten jüdischen Mitbürger. Im Jahr 2000 wurden auf dem Grundstück Grabungen vorgenommen, um die einstigen Außenmauern der Synagoge zu dokumentieren. Dabei stieß man nur noch auf die Fundamente des Gebäudes. Darin befand sich ein Stoffsäckchen mit Silber- und Kupfermünzen aus der Zeit von 1786 bis 1831, offensichtlich eine Beigabe zur Grundsteinlegung der Synagoge.
(Christine Riedl-Valder)
Bilder
Literatur
- Barbara Eberhardt / Cornelia Berger-Dittscheid: Hirschaid. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 158-168.
