Die Eintragungen in den Rechnungsbüchern lassen darauf schließen, dass es spätestens seit 1687 bis nach 1721 im Schlosshof von Hagenbach eine Synagoge gab. Sie umfasste ein bis zwei Kammern und einen kleinen Gewölberaum, in dem sich möglicherweise die Mikwe befand. Die jüdische Gemeinde erwarb dann im Jahr 1726 für 40 Fränkische Gulden das Grundstück Plan-Nr. 54 und 54 ½ (spätere Hausnummer 39; heute Grundstück zu Haus Nr. 37). Dafür hatten die Juden Samuel, Hirsch Zacharias, Marx Zacharias, Moyses Jakob und David Simon Teilflächen ihres eigenen Grundes zur Verfügung gestellt. Hier entstand eine neue Synagoge mit Hofraum.
Bei dem Gotteshaus handelte es sich um einen auf rechteckigem Grundriss errichteten Fachwerkbau mit steilem Satteldach, der exakt nach Osten ausgerichtet war. Die östliche Giebelwand war mit einem hohen Sockel versehen, der das abfallende Gelände zum Poppenbach, einem Nebenarm der Trubach, nivellierte. Die Mikwe befand sich laut Physikatsbericht aus dem Jahr 1828 im Anwesen Plan-Nr. 75 hinter dem Haus von Jayum Isaac Hutzler. Es handelte sich um ein Kellerquellenbad. 1919 wurde es von einem christlichen Bürger erworben.
1827 hat man an die Westwand der Synagoge ein Schul- und Gemeindehaus angebaut. Eine grundlegende Renovierung des jüdischen Gotteshauses erfolgte 1868. Dabei wurde das Innere im neugotischen Stil umgestaltet und wohl auch eine seitliche Vorhalle errichtet. 1898 erhielt die Synagoge einen neuen Außenputz.
Da schon an der Wende zum 20. Jahrhundert nur mehr wenige Juden in Hagenbach lebten, die Gemeinde dann 1911 mit Wannbach vereinigt und 1934 ganz aufgelöst wurde, fanden in den 1920er und 1930er Jahren nur mehr wenige jüdische Gottesdienste statt. Im Zuge dieser Entwicklung hat die IKG das Gebäude nicht mehr renoviert. Daher beabsichtigten die NS-Behörden von Amts wegen das Gotteshaus als baufällig zu erklären, um sie abreißen zu können. Doch die vier jüdischen Besitzerfamilien kamen dem zuvor und verkauften das Gebäude im September 1938 an die christliche Maurerfamilie Horlamus. Obwohl das Haus nicht mehr in jüdischen Händen war und keine gottesdienstliche Funktion mehr hatte, haben ortsansässige und auswärtige Mitglieder der NSDAP in der Reichspogromnacht (9./10.11.1938) die einstige Synagoge verwüstet und deren Einrichtungsgegenstände größtenteils verbrannt. Die Nazis wollten damals auch noch Feuer an das Gebäude legen, aufgrund der Gefährdung nahegelegener Häuser und Scheunen unterblieb dies jedoch. In den folgenden Jahren verfiel der Bau und wurde letztlich abgetragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat der neue Eigentümer das Gelände mit einer Garage bebaut.
(Christine Riedl-Valder)
Bilder
Literatur
- Angela Hager / Hans-Christof Haas: Hagenbach, in: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 152-157.
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 243-245.
