Jüdisches Leben
in Bayern

Grasmannsdorf Synagoge

Die Juden in Grasmannsdorf gingen für den Gottesdienst seit 1787, als sich die ersten Familien im Ort niederließen, zunächst nach Walsdorf, weil ihnen von den Behörden die Benutzung der Synagoge in Burgebrach verwehrt wurde.

Als durch Hausväter, Söhne und Dienstboten für längere Zeit ein Minjan zusammen kommen konnte, versammelte sich die Gemeinde von circa 1790 bis 1868 in einem privaten Betraum. Die Matrikelliste des Jahres 1823 beschreibt das Anwesen Nr. 11a wie folgt: "Eine Sölde [Haus mit kleinem Gartengrundstück], die Judenschul der Israelitischen Gemeinde gehörig. Die untere Wohnung in der Judenschul nebst einem Stall 1/64 Morgen und Holzlege erkauft der Schutzjude zu Grasmannsdorf Ruben Bonum von der Judengemeinde daselbst am 12.8.1807 um 288 fl 27 1/2 xr.". Der Viehhändler Ruben Bonum Schleestein lebte dort bereits bei der ersten Erfassung im Jahr 1806. Die eigentliche Synagoge (Nr, 11 1/3) von Grasmannsdorf bestand nur aus einem Haus, das sich seit circa 1780 im besitz der jüdischen Gemeinschaft befand. Es handelte sich um einen ortstypischen einstöckigen, massiv ausgeführten Zweckbau mit Walmdach, der Betraum lag wie üblich unter dem Dach. Über seine Ausstattung ist jedoch nichts bekannt. Seit 1853 gehörte das Anwesen 11 dem Juden Abraham Hellmann. Ein Verzeichnis von 1864 erwähnt, dass die Judenschule "seit unfürdenklichen Zeiten im Besitz der Gemeinde" sei. Die letzten Mitglieder der jüdischen Landgemeinde in Grasmannsdorf waren Abraham Hellmann, Baruch Uffenheimer und Mayer Ehrlich, die das Gebäude mit dem Betraum zunächst an Johann Dippold und dann, nach Aufhebung des Kaufvertrags, an Andreas Dittrich verkaufen. Das Haus wechselte mehrfach den Besitzer und wurde 1907 einem Hof (Grasmannsdorf 18) einverleibt. Das zur Scheune umgebaute Haus wurde baufällig und zum Teil in eine neue Architektur eingefügt, es steht in dieser Form noch heute.


(Patrick Charell)

Adresse / Wegbeschreibung

Grasmannsdorf 18, 96138 Burgebrach

Privatbesitz, nicht öffentlich zugänglich.

Literatur

  • Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Bamberg - Die 'Judenmatrikel' 1824-1861 für Oberfranken (gff digital, Reihe A: Digitalisierte Quellen, 2 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien, 4), Nürnberg 2017
  • Philipp Spindler: Das Heimatbuch Grasmannsdorf. Ein idyllisches Dorf mit bewegter Vergangenheit. Mannheim 2022, 341 u. 356.