Im Jahr 1740 erreichte die in Goldbach ansässige Judenschaft die Anzahl von 15 religionsmündigen Männern, womit ein Minjan möglich wurde. Man beantragte deshalb beim erzbischöflichen Kommissariat einen eigenen Betraum, der am 17. August 1740 gegen eine jährliche Gebühr von drei Gulden genehmigt wurde. Juden aus Goldbach und Hösbach trafen sich daraufhin im Haus des Joseph Salomon (alte Hausnummer 152 a und b; später Sachsenhausen 6) zum Gebet. Hier befand sich auch eine Mikwe und die jüdischen Kinder bekamen Religionsunterricht. Als Vorbeter und Vorstand fungierte Salomons jüngerer Bruder Löb. Nach dessen Tod erwarb Wolf Samson die "Judenschule", und der Betraum 1773 konnte wieder öffnen.
Wolf Samson hatte als neuer Hauseigentümer auch das Amt des Synagogenvorstands inne und stellte Vorbeter, Schächter und Lehrer an. Streitigkeiten zwischen den Goldbacher und Hösbacher Juden führten jedoch in der Folgezeit mehrfach zur Schließung des Betraumes.
Aus dem Jahr 1816 gibt es Informationen, dass der Neubau einer Synagoge geplant sei. Damals verkaufte Wolf Samson sein Haus mit dem Betsaal an die Kultusgemeinde, die auf diesem Grundstück 1817/18 das neue Gemeindezentrum errichtete. Es umfasste eine Synagoge mit Hofraum, Brunnen, Badehaus und Holzhalle, sowie ein angrenzendes Lehrerwohnhaus und einen Pflanzgarten. 1833 bemängelte das Landgericht Aschaffenburg Missstände im Religionsunterricht sowie "wiederholte Excesse" in der Synagoge, und ließ das jüdische Gotteshaus in Goldbach deshalb für mehrere Wochen sperren. Der Kultusgemeinde wurde die Anstellung eines staatlich geprüften Religionslehrers zur Auflage gemacht.
Während des Novemberpogroms 1938 erstürmten an 10. und 11. November zwischen 19 und 1 Uhr „Volksgenossen“ die Goldbacher Synagoge. Das Gotteshaus wurde erst ausgeräumt, dann die Einrichtung zerstört und anschließend das ganze Haus abgerissen, so dass nur noch einzelne Mauerteile stehen blieben. Die Torarolle war einige Tage zuvor zusammen mit ein paar Silbergerätschaften in private Aufbewahrung gekommen und konnte somit gerettet werden. Auch das Ritualbad im Garten wurde zerstört. 1939 musste die Kultusgemeinde das Grundstück verkaufen.
Gegenüber dem Platz, an dem das ehemalige jüdischen Gotteshaus stand, ließ der Markt Goldbach-Hösbach 1986 ein Denkmal aufstellen, das an die jüdischen Mitbürger und ihre zerstörte Synagoge erinnert. Ergänzend dazu wurden 2008 zwei Sandsteintafeln angebracht, auf denen die Namen der 1942 deportierten und ermordeten Mitbürgerinnen und Mitbürger verzeichnet sind.
(Christine Riedl-Valder)
Literatur
- Axel Töllner / Cornelia Berger-Dittscheid: Schöllkrippen. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade. Lindenberg im Allgäu 2015, S. 70-82.
