Jüdisches Leben
in Bayern

Gaukönigshofen Synagoge

Ein Betsaal, bzw. eine Synagoge existierte vermutlich seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im ritterschaftlichen Freihof, der im südlichen Dorfteil lag. Dort gab es seit den 1680er Jahren vier jüdische Haushalte, die wahrscheinlich den vorgeschriebenen Minjan für das gemeinschaftliche Gebet aufbringen konnten. Der Ortskaplan erwähnte 1768 anlässlich der feierlichen Überführung einer neuen Torarolle erstmals eine Synagoge, in der die Juden aus dem Freihof und die Schutzjuden des Hochstifts gemeinsam Gottesdienste feierten. 1790 genehmigte Freiherr von Rosenbach den Bau einer neuen "Schul" auf freiherrlichem Grund (Plan Nr. 74, heute Am Königshof 22).

1842 erfolgte ein Neubau dieser Synagoge. Der neue schlichte Bau verfügte über einen, auf quadratischem Grundriss errichteten, zweigeschossigen Betsaal, der Platz für 40 bis 50 männliche und rund 30 weibliche Besucher bot. Der Wohn- und Schultrakt im Süden erhielt einen eigenen Eingang. 1910 wurde die Synagoge durch ein neues Mehrzweckhaus mit Lehrerwohnung und Schulraum ergänzt.

Während des Novemberpogroms 1938 kamen Einheiten der SS- und SA aus Ochsenfurt am späten Abend des 10. November über Acholshausen nach Gaukönigshofen. Sie drangen in die Synagoge ein, zerstörten unter Mithilfe von Ortsansässigen die Inneneinrichtung und die Ritualien, warfen die Trümmer auf die Straße und verbrannten diese unter Aufsicht der Feuerwehr. Zwei Bauernsöhne aus dem Dorf zerschlugen den Toraschrein und warfen ihn mit der übrigen Einrichtung in das Feuer. Der Feuerwehrkommandant verhinderte das Niederbrennen der Synagoge, da er ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäude befürchtete. Im angrenzenden Gemeindehaus wurde ebenfalls das Inventar zerschlagen, sowie der Schulraum und die Lehrerwohnung verwüstet. Unzerstört blieb nur das jüdische Ritualbad. Zwei der Torarollen aus der Synagoge konnten vorab gerettet werden. Ab Ende 1939 bis 1942 durften die verbliebenen Mitglieder der Kultusgemeinde mit dem Einverständnis des christlichen Hausbesitzers in der Wohnung des Isaak Bach (Haus Nr. 123; heute Brunnenstraße 3) Gottesdienste feiern. Die Synagoge mit Schule und Lehrerwohnung und das Gemeindehaus kamen am 28. Juni 1939 für einen Spottpreis an die Gemeindeverwaltung. 1939/40 wurde die Synagoge renoviert. In ihrem südlichen Trakt hat man Wohnungen eingebaut; auch der Betsaal wurde dabei verändert.

Nach 1945 wurde man die einstige Synagoge als Feuerwehrgarage, ab 1958 als Unterstellraum für landwirtschaftliche Geräte genutzt. Ab 1985 setzten Überlegungen zu einer künftig würdigeren Nutzung ein. 1987 beschloss der Kreistag des Landkreises Würzburg die möglichst originalgetreue Renovierung des einstigen Sakralgebäudes und eine Umwidmung als Gedenkstätte für die Opfer der Shoah. Ein Jahr später stieß man auf dem Dachboden des Hauses auf eine Genisa. Am 16. Oktober 1988 wurde das Gebäude in Anwesenheit von 14 ehemaligen jüdischen Bürgern des Dorfes, die aus Israel und den USA angereist waren, als Kreisgedenkstätte eingeweiht. Vor die ehemalige Toranische hat man hinter Glas auf einem Lesepult aus weißem Marmor das Ehrenbuch mit den Namen der ermordeten Juden aus dem Landkreis Würzburg platziert. Die Kommune beteiligt sich zusätzlich am Projekt DenkOrt Deportationen mit zwei Gepäckstücken: Eines erweitert das zentrale Mahnmal auf dem Würzburger Bahnhofsplatz, das Gegenstück wird vor Ort an die deportierten Opfer der Shoah erinnern. 


(Christine Riedl-Valder)

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Königshof 22, 97253 Gaukönigshofen

Kreisgedenkstätte Synagoge und Mikwe Gaukönigshofen
Öffnungszeiten: Jeden 1. Sonntag im Monat (April - Oktober) von 14.00 bis 16.00 Uhr.
Im Winter geschlossen.
Zu Führungen für Gruppen außerhalb der Öffnungszeit erhalten Sie Auskunft im Rathaus.
Tel.: 09337 / 9719 - 0

Literatur

  • Cornelia Berger-Dittscheid: Gaukönigshofen mit Acholshausen. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade. Lindenberg im Allgäu 2015, S. 613-639.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 224f.