1738 stellte die Gutsherrschaft der jüdischen Gemeinde einen Platz am Ortsrand (heute Wagnergasse 8, Flur-Nr. 48) für den Bau einer Synagoge zur Verfügung. Vermutlich wurde dieses Gotteshaus als Fachwerkbau errichtet. Durch den großen Mitgliederzuwachs war Anfang des 19. Jahrhunderts eine Erweiterung dringend notwendig geworden. Deshalb erwarb Joseph Reichhold 1817 ein angrenzendes Grundstück. Man entschied sich dann aber nicht für die bloße Vergrößerung des Betsaals sondern für einen Neubau. Es wurde ein aufwendiges zweigeschossiges Werksteinhaus über rechteckigem Grundriss in detailreicher klassizistischer Formensprache errichtet und an seiner Ostseite ein Toraerker angebracht.
Nach der Fertigstellung blieb die Synagoge längere Zeit geschlossen, denn die bayerische Regierung verlangte die Anstellung eines Rabbiners, den sich die nun hoch verschuldete Kultusgemeinde nicht mehr leisten konnte. Deshalb erwarb Joseph Reichhold 1817 ein angrenzendes Grundstück. Man entschied sich dann aber nicht für die bloße Vergrößerung des Betsaals sondern für einen Neubau. Es wurde ein aufwendiges zweigeschossiges Werksteinhaus über rechteckigem Grundriss in detailreicher klassizistischer Formensprache errichtet und an seiner Ostseite ein Toraerker angebracht. Nach der Fertigstellung blieb die Synagoge längere Zeit geschlossen, denn die bayerische Regierung verlangte die Anstellung eines Rabbiners, den sich die nun hoch verschuldete Kultusgemeinde nicht mehr leisten konnte. 1825 kam es dann zur Gründung des Bezirksrabbinats Hagenbach, dem die Ermreuther Juden beitraten. Die Synagogenordnung, die 1831 erlassen wurde, beweist die streng orthodoxe Gesinnung der Ermreuther Juden. Auf ihre Einhaltung wurde peinlich genau geachtet. Als 1894 das Bezirksrabbinat Hagenbach aufgelöst wurde, unterstellte sich die Kultusgemeinde dem Bamberger Rabbinat. Bis 1930 hatte die Mitgliederzahl so stark abgenommen, dass die für einen vollständigen jüdischen Gottesdienst benötigte Anzahl von zehn mündigen Juden nicht mehr erreicht wurde. Deshalb wandte sich die jüdische Gemeinde 1931 an den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden mit dem Antrag, zu den hohen Feiertagen drei Männer nach Ermreuth zu schicken, damit man Gottesdienst halten könne.
In der Reichspogromnacht (9. auf 10.11.1938) zertrümmerten Einsatzkommandos der NSDAP die Inneneinrichtung der Synagoge und vernichteten alle sakralen Gerätschaften (Torarollen, Pokale, Leuchter) und Gebetbücher. Wohl nur aufgrund der engen Nachbarschaft zu anderen Gebäuden entging das Gotteshaus der Einäscherung. Die Wehrmacht benutzte es während des 2. Weltkriegs als Lagerhaus.
1948 gingen die Synagoge und der jüdische Friedhof in den Besitz der Jewish Restitution Successor Organization (JRSO) über. Sie war die rechtmäßige Vertreterin der ehemaligen israelitischen Kultusgemeinde Ermreuth. Diese Organisation verkaufte das ehemalige Gotteshaus 1953 an den Freistaat Bayern, der es an die örtliche Raiffeisenbank weiter veräußerte. In den folgenden Jahren diente das Gebäude zur Lagerung von Maschinen, landwirtschaftlichen Produkten, Dünger und Streusalz und wurde dabei erheblich umgebaut. 1974 erwarb der Markt Neunkirchen am Brand das Anwesen. Nachdem sich mehrere Vorschläge zur weiteren Nutzung als ungeeignet erwiesen hatten, fasste man den Entschluss, die ehemalige Synagoge als Museum jüdischer Geschichte in Oberfranken einzurichten. Der neu gegründete „Zweckverband Synagoge Ermreuth“ machte es sich zur Aufgabe, das einst von den Nazis geschändete jüdische Gotteshaus zu rekonstruieren. Mit Hilfe von jüdischen und christlichen Zeitzeugen, sowie anhand von Befunduntersuchungen und Archivalien konnte das Haus weitgehend originalgetreu wiederhergestellt werden. Im Treppenhaus und auf der Frauenempore wurde eine Dauerausstellung von Objekten der 1988 geborgenen Ermreuther Genisa installiert, die jüdisches Leben auf dem Land dokumentiert. Die Einweihung von Synagoge und Museum erfolgte 1994 in Anwesenheit zahlreichern jüdischer und christlicher Ehrengäste durch Arno Hamburger, den Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg. Eine Gedenktafel im Vorraum des Gotteshauses erinnert an die 15 Emreuther Jüdinnen und Juden, die während der NS-Diktatur ermordet wurden.
Einen Rundgang durch die Synagoge Ermreuth bietet ein Film des Zweckverbands Synagoge Ermreuth.
(Christine Riedl-Valder)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Wagnergasse 8, 91077 Neunkirchen am Brand
Literatur
- Angela Hager / Hans-Christof Haas: Ermreuth. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 136-143.
